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Synagogen-Einweihung vor 60 Jahren

Neuanfang nach dunkler Zeit

Münster

Vor 60 Jahren wurde die Synagoge an der Klosterstraße eingeweiht. Der Architekt des Bauwerks war ein Opfer des NS-Regimes, überlebte aber zwei Konzentrationslager.

Die Synagoge an der Klosterstraße in Münster wurde vor 60 Jahren eingeweiht. Ihr Architekt überlebte die Verfolgung des NS-Regimes. Foto: Markus Bomholt

Für ungewöhnliche Architekturabende ist die Vortragsreihe „A-Z Architekten“ des BDA Münster-Münsterland laut einer Pressemitteilung inzwischen bekannt. Regelmäßig stellt sie an Originalorten in der Stadt Leben und Werk der Architekten vor, die Münsters Stadtbild prägten. Jüngst lud sie zum Vortragsabend in die nachkriegsmoderne Synagoge an der Klosterstraße ein, die nach Plänen des Architekten Helmut Goldschmidt (1918-2005) errichtet und im Jahr 1961 geweiht wurde.

Der Vorgängerbau, der in den Jahren 1879/80 durch Karl Hofmann an gleicher Stelle errichtet wurde, fiel der Reichspogromnacht 1938 zum Opfer. Mit dem 1960er-Jahre-Neubau von Goldschmidt an gleicher Stelle gelang der Jüdischen Gemeinde sodann ein mutiger Neuanfang. Vor zehn Jahren erfolgte durch den Architekten Nathan Schächter eine Erweiterung um einen oberen Gemeindesaal.

Geschichte des Helmut Goldschmidt

Das Gymnasium musste Goldschmidt aufgrund der NS-Politik bereits 1935 ohne Abschluss verlassen, wodurch ihm ein Architekturstudium verwehrt blieb. Unter anderem Namen gelang es ihm dennoch, Architekturvorlesungen in Berlin zu hören, ergänzt durch privat finanzierten Unterricht. Als Jazzmusiker und Komponist konnte er zunächst weitere Jahre überstehen, bis er 1942 verhaftet und zunächst nach Auschwitz, dann nach Buchenwald deportiert wurde.

Nach der Befreiung arbeitete Goldschmidt zunächst in Mayen (Eifel) und gestaltete den Wiederaufbau mit. Ab 1950 führte er in Köln, vorübergehend zusammen mit dem Architekten Oswald Mathias Ungers, ein Büro und realisierte bis in die 1970er-Jahre hinein zahlreiche Wohn- und Geschäftshäuser sowie Siedlungsbauten. Zur eigentlichen Berufung sollten jedoch für ihn verschiedene Jüdische Gemeindenzentren in Deutschland werden.

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