1. www.muensterschezeitung.de
  2. >
  3. Lokales
  4. >
  5. Muenster
  6. >
  7. Notfallbegleitung Münster sucht Ehrenamtliche

  8. >

„Erste Hilfe für die Seele“

Notfallbegleitung Münster sucht Ehrenamtliche

Münster

Wenn Unglücke geschehen, sind auch Notfallhelfer für die Seele gefragt. In Münster können sich Freiwillige kompetent ausbilden lassen.

Von Helmut P. Etzkorn

Freuen sich auf neue Mitarbeiter im Team (v.l.): Pastoralreferent Martin Remke, Pfarrerin Alexandra Hippchen (Sprecherin der Notfallbegleitung Münster) und Uli Löser, der sich aktuell zum Notfallbegleiter ausbilden lässt. Foto: hpe

Im Gegensatz zu Polizei und Rettungsdienst bringen sie viel Zeit mit, wenn sie am Einsatzort aktiv werden: Münsters Notfallbegleitung rückt aus, weil Menschen durch einen Todesfall im engsten Kreis oder nach Unfällen häufig aus der Bahn geworfen werden. Sie nehmen sich die nötigen Stunden, um Ruhe in die Ausnahmesituation zu bringen.

Das Team der „Ersten Hilfe für die Seele“ um Pfarrerin Alexandra Hippchen und Pastoralreferent Martin Remke sucht nun Freiwillige zwischen 25 und 65 Jahren, die sich kostenlos zum Notfallbegleiter ausbilden lassen wollen.

Meist gibt es Einsätze bei häuslichen Notfällen

Es sind nicht die spektakulären Lagen wie Amokfahrten und Katastrophen, die in der Praxis auf die bislang 22 Mitarbeiter zukommen. „Zu 90 Prozent ist es der häusliche Notfall, wenn Menschen vor den Augen ihrer Angehörigen daheim trotz Rettungsversuch der Ärzte versterben“, so Hippchen.

Was dann gebraucht wird, sind Menschen, die Betroffene aus einer „hochemotionalen Schocklage rausholen“, so Remke. Mit viel Fingerspitzengefühl und Empathie versuchen die Notfallbegleiter „Menschen aufzufangen, denen gerade ihr Lebenskonzept zerstört wurde“, sagt Hippchen.

Weil Angehörige meist im Schockzustand sind, wollen Notfallbegleiter „einfach da sein und reden“. Schlimm sind Todesfälle mit Kindern, die Identifizierung von Opfern in der Gerichtsmedizin und nicht zuletzt das Überbringen einer Todesnachricht durch die Polizei.

Distanz halten und trotzdem Gefühle zeigen

„Distanz halten, trotzdem Gefühle zeigen“, umreißt Remke den Spagat, den seine Leute dann schaffen müssen.

Uli Löser (58), der gerade als Notfallbegleiter ausgebildet wird, ist vom Teamspirit begeistert: „Man profitiert auch selbst davon, wenn man einmal persönlich in eine kritische Lebenslage gerät.“

Zwei Tage im Monat sollte man sich für den Bereitschaftsdienst reservieren, die Ausbildung selbst dauert rund 100 Stunden und findet in Wochenendseminaren statt. 2021 gab es in Münster 66 Einsätze, im Umland sind es deutlich mehr. Corona und der Krieg in der Ukraine haben die Zahlen steigen lassen.

Kontakt: alexandra.hippchen@ notfallseelsorge-ekvw.de

Startseite
ANZEIGE