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„Noch einmal, aber besser“ im Boulevard Münster

Ohne Gedächtnis richtig nett

Münster

Eine Frau will sich scheiden lassen, weil ihr Mann ein fieser Macho ist. Doch ein Unfall verändert alles, und es kommt zu komischen Verwicklungen, wie das Boulevard Münster zeigt.

Von Helmut Jasny

Vera (Riecke Volkers, l.) und Thomas (Erik Voß, r.) mit ihren Anwälten (Eric Haug und Eva Schröer). Foto: Boulevard Münster

Männer sind nicht immer eine schöne Erscheinung. Bei Thomas sind es weiße Strumpfhalter zu schwarzen Socken und eine gewisse Breitbeinigkeit, die ihn unvorteilhaft auf die Bühne kommen lassen. Ein Schnapsglas hat er auch immer in der Hand, und als seine Frau Vera es wagt, ihm wegen eines Seitensprungs Vorwürfe zu machen, kehrt er so richtig den Macho raus. Er könne es sich leisten, findet er. Schließlich verdient er mit seinen Schundromanen das große Geld, von dem letztlich auch seine Frau profitiere. Sie sieht das ein wenig anders und will sich scheiden lassen. Was ihn dann aber doch überrascht.

Mit Michael Englers „Noch einmal, aber besser“ hat das Boulevard Münster nach elfmonatiger Corona-Pause eine unterhaltsame Konversationskomödie auf die Bühne gebracht. Es gibt den erwarteten Schlagabtausch zwischen Frauen und Männern, gespickt mit flotten Sprüchen, Situationskomik und auch dem einen oder anderen Kalauer, die hier aber gut in das Dialoggefüge passen.

So weit, so lustig – doch dann kommt es zu einer Wendung, die dem Ganzen eine völlig neue Richtung gibt. Thomas verliert durch einen Unfall sein Gedächtnis und verwandelt sich in einen netten, aufmerksamen Ehemann. Nicht nur Vera muss jetzt umdenken, sondern auch die beiden Scheidungsanwälte, die den Fall schon an sich gerissen hatten.

Unter der Regie von Angelika Ober ist ein gut aufgelegtes und zuweilen rasant aufspielendes Ensemble am Start. Erik Voß reizt als Thomas seine Rolle als Macho ebenso aus wie später die als Softie, der 20 Jahre Ehestreit einfach aus dem Gedächtnis verloren hat. Das verlangt auch Riecke Volkers als Vera eine andere Gangart ab – aus der anfangs so verhärteten Frau wird ein mutwilliges Mädchen, das sich neu in Thomas zu verlieben droht.

Fast sieht es schon nach einen Happy End vor der Zeit aus, wären da nicht die beiden Anwälte. Eva Schröer gibt sich als Veras Vertreterin wunderbar zickig, während Eric Haug mit Pedanterie und betonierter Frisur für Thomas’ Rechte kämpft. Natürlich sind sie sich spinnefeind und natürlich kriegen sie sich am Ende. Schlecht versteckte Haschkekse spielen dabei eine Rolle.

Insgesamt ist dem Boulevard Münster mit „Noch einmal, aber besser“ eine unterhaltsame und handwerklich solide Aufführung gelungen, die zeigt, dass das Theater zumindest in künstlerische Hinsicht die Pandemie gut überstanden hat. Außerdem dürfte es die erste Inszenierung sein, die einen E-Joint auf die Bühne bringt.

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