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Uniklinikum Münster

Einbruch bei der Zahl der Organspenden in 2022

Münster

Bundesweit ist die Zahl der Organspenden 2022 im Vergleich zum Vorjahr gesunken. Auch am Uniklinikum Münster (UKM) ist die Zahl der Spenden gesunken. Dafür gibt es gleich mehrere Gründe.

Eine Frau hält einen Organspendeausweis in ihren Händen. Am UKM in Münster ist die Zahl der Organspender 2022 im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen. Foto: dpa (Symbolbild)

Bundesweit ist laut der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) von Januar bis November 2022 im Vergleich zum Vorjahr die Zahl der postmortalen Organspender in Deutschland um sieben Prozent zurückgegangen. Auch am Uniklinikum Münster (UKM) bemerkt man einen deutlichen Rückgang bei den Organspenden. „Das liegt aber nicht nur in der Pandemie begründet“, sagt Dr. Jan Englbrecht, Transplantationsbeauftragter des UKM, in einer Pressemitteilung der Klinik.

Die in Umfragen häufig positiv geäußerte Einstellung zum Thema Organspende lasse sich bei der Spendenbereitschaft der am UKM behandelten potenziellen Organspender nicht wiederfinden. Im Jahr 2021 gab es am UKM laut der Mitteilung insgesamt zehn Organspender. Das waren doppelt so viele wie im Jahr 2020. Im nun vergangenen Jahr 2022 ist die Zahl der Spender nach Klinikangaben allerdings deutlich zurückgegangen: Es konnten nur fünf Organspenden realisiert werden.

Mehrere Gründe für Rückgang bei Organspenden

„Die Gründe für die insgesamt niedrigen Zahlen und den auch am UKM deutlichen Rückgang sind sicherlich multifaktoriell“, sagt Englbrecht. 2022 habe sich aber gegenüber dem Vorjahr die Kapazität der zur Verfügung stehenden Intensivbetten weiter reduziert. „Da eine Organspende nur nach Feststellung des Hirntodes in Deutschland möglich ist, kann diese auch nur bei Patienten realisiert werden, die auf einer Intensivstation versterben. Wenn die absolute Zahl an intensivmedizinisch behandelten Patienten sinkt, sinkt logischerweise auch das Potenzial an möglichen Spendern.“

Dr. Jan Englbrecht, Transplantationsbeauftragter des UKM Foto: UKM

Hinzu komme, dass eine Organspende ein extrem zeit- und personalaufwändiger Prozess sei. Die Corona-Pandemie und der Personalmangel im Gesundheitswesen haben laut dem Transplantationsbeauftragten des UKM die Möglichkeiten erschwert, eine Organspende zu ermöglichen.

Zustimmungslösung als Problem?

Laut der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung stehen in Deutschland etwa 9200 Menschen auf der Warteliste für ein Spenderorgan. 2020 gab es bundesweit 913 Organspenderinnen und Organspender.

Laut Dr. Jan Englbrecht ist ein Grund für die niedrige Zahl an Organspendern in Deutschland auch die Zustimmungslösung – anders als beispielsweise in Spanien: „Dort wird die Widerspruchslösung angewandt, das heißt, ein Patient ist potenzieller Organspender, es sei denn, er hat sich zu Lebzeiten aktiv dagegen entschieden.“

Am UKM gab es laut Englbrecht 2022 bis November etwa 41 potenzielle Organspender. Nur in 14 Fällen (34 Prozent) habe es eine Zustimmung zur Organspende gegeben und nur in fünf Fällen (zwölf Prozent) habe diese dann auch realisiert werden können.

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