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Ungewöhnliche Transplantation am UKM

Patientin erhält Organe von Säugling

Münster

Sandra Giese war seit rund 40 Jahren Diabetikerin (Typ-I), als sich im Herbst ihre Werte so dramatisch verschlechterten, dass sie drohte, dialysepflichtig zu werden. Nach der Transplantation zweier Nieren in Kombination mit einer Bauchspeicheldrüse lebt die Beckumerin nun mit den jüngsten Organen, die je in Deutschland transplantiert wurden, weiter.

Versöhnlicher Abschluss eines nicht ganz einfachen Jahres: Klinikdirektor Prof. Andreas Pascher (l.), Nephrologe Prof. Stefan Reuter, Patientin Sandra Giese und Prof. Jens Brockmann (v.l.). Foto: UKM/Wibberg

Erst im September hatten die Ärzte der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie am Universitätsklinikum Münster (UKM) sie auf die Warteliste für Organtransplantationen gesetzt. „In der Regel warten die Empfänger ein bis zwei Jahre auf ein Angebot“, erklärt der stellvertretende Klinikdirektor, Prof. Jens Brockmann. Doch am 8. November klingelte es abends bei Familie Giese in Beckum: Die Polizei gab Bescheid, dass es ein Organangebot für sie gab. „Ich war noch gar nicht wirklich vorbereitet, hatte meine Sachen nicht gepackt“, erzählt Sandra Giese. Im UKM erfuhr sie, dass es sich um die Organe eines weit unter ein Jahr alten Kindes handelt.

Medizinisch gesehen sind ist es nicht selbstverständlich, dass die Organe eines Kleinkindes überhaupt transplantiert werden, informiert die Klinik in ihrem Pressebericht. Die technischen Risiken würden landläufig als zu groß eingeschätzt. Während alle anderen Zentren die durch die Stiftung Eurotransplant angebotenen Nieren ablehnten, nahm das UKM das kombinierte Angebot aus Nieren und Pankreas an. „Wir haben eine neue Operationstechnik angewendet, die weltweit nur von wenigen Chirurgen überhaupt durchgeführt wird“, sagt Brockmann. Dabei bleiben die eigenen Organe im Körper und der Empfangende bekommt diese Organe gewissermaßen in zweiter Ausführung noch einmal hinzu.

Junge Organe werden seltener abgestoßen

Einer der Vorteile ist, dass die Organe sehr schnell im Körper des Empfängers weiterwachsen. Maßen die Nieren im konkreten Fall zum Zeitpunkt der Transplantation kaum vier Zentimeter, so sind sie jetzt, sechs Wochen später, schon fast doppelt so groß. Auch scheint es nach Darstellung des UKM so zu sein, dass juvenile Organe seltener abgestoßen werden.

Leid und Glück

Nicht ausblenden will Giese, die selbst Mutter ist, dass der Tod eines Kindes ihr zu einem neuen Leben verholfen hat. „Leid und Glück sind in der Transplantation untrennbar miteinander verknüpft“, sagt Klinikdirektor Prof. Andreas Pascher. Und Brockmann, der die Transplantation mit seinem Team durchgeführt hat, ergänzt: „Es muss ein unvorstellbar schwerer Schritt für Eltern sein, die Organe des eigenen Kindes zur Transplantation freizugeben.“ Gleichzeitig beschreibt er es für Mütter und Väter auch als tröstend, zu wissen, dass sie mit diesem Einverständnis mehreren Menschen das Leben retten. „Das hilft, ein Stück weit bei der Verarbeitung.“

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