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Martin Bambauer spielt Barockes

Perfekt auf den Charakter der Ott-Orgel abgestimmt

Münster

Am Samstag wurde die Reihe der Orgelsommerkonzerte fortgeführt – diesmal spielte Gastorganist Martin Bambauer in der Apostelkirche.

Von Christoph Schulte im Walde

Foto: cws

Von Plagiaten ist derzeit mal wieder viel zu hören. Die gibt es auch beim Komponieren von Musik, und dies seit Jahrhunderten. Wenn aber Gerald Hendrie, der 1935 geborene englische Komponist, in seinem Satzpaar „Präludium und Fuge“ mehrfach fast wörtlich den berühmten Marcel Dupré zitiert, ist das kein Diebstahl geistigen Eigentums, sondern vielmehr eine ehrfurchtsvolle Verbeugung vor dem Oeuvre des französischen Kollegen. Martin Bambauer machte beim Orgelsommer am Samstag in der Apostelkirche mit diesem so gut wie nie gespielten Stück bekannt. Eine lohnende Entdeckung, technisch anspruchsvoll, klanglich das fulminante Finale eines Konzertes, das Bambauer perfekt auf den Charakter der Ott-Orgel abgestimmt hatte.

Da gab es viel Barockes von Nicolaus Bruhns, Dietrich Buxtehude und Johann Sebastian Bach, durchweg gestaltet mit musikantischem Schwung, Eleganz und feiner Anschlagskultur. Sehr schön auch das Spiel mit den Orgelfarben in Bachs „Passacaglia“, diesem gewichtigen Werk der gesamten Orgelliteratur. Zwanzig mal wird ein und dasselbe Thema beleuchtet, jedes Mal braucht es eine neue Idee des Interpreten. Martin Bambauer, Organist an der Konstantin-Basilika in Trier, hatte reichlich davon.

Auch für seine eigene Improvisation, einer im Stil des Barock gehaltenen Suite in fünf Sätzen. Die hohe Schule der französischen Orgelspielkunst stand dabei ganz klar Pate, während mit Sigfrid Karg-Elert und Franz Liszt ganz anderes Terrain erkundet wurde: die Hochzeit der deutschen Romantik. Auch sie ließ sich mit etwas Geschick auf der eigentlich barock angelegten Orgel der Apostelkirche gut realisieren. So mangelte es Karg-Elerts „Symphonische Kanzone“ nicht an dynamischen Steigerungen – und Franz Liszts „Eglogue“ tauchte Bambauer in poesievolle Töne, auf die dann der eingangs erwähnte Gerald Henrie folgte.

Großer Beifall des Publikums – und ein Kabinettstückchen von Louis Vierne als Zugabe.

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