Kösters Wohnkultur am Rathaus

Peu-à-peu-Umzug ohne Umzugswagen

Münster

Kösters zieht auf dem Prinzipalmarkt um. Das Geschäft für Wohnkultur verlässt nach über 80 Jahren das Stammhaus und zieht in das frühere Ladenlokal von Escada. Und das ganz ohne Umzugswagen.

Von Ralf Repöhler

Mit bunten Folien verklebt sind die sechs großen Schaufenster am Michaelisplatz, die Einblick in die Kösters Wohnkultur am Rathaus geben, sagt Jan Eismann. Foto: Oliver Werner

Wie viele Umzugswagen werden benötigt, damit ein Traditionsgeschäft nach Jahrzehnten mit über 40 000 zum größten Teil kleinteiligen und zerbrechlichen Artikeln im Bestand umziehen kann? Kein einziger! Die schubkarrengroßen Rollwagen sind handlich, stoßsicher und federn selbst das gefährliche Rappeln auf dem Kopfsteinpflaster des Prinzipalmarktes ab. Wer genau hinschaut, sieht, wie sie täglich unter den Bögen hin- und hergeschoben werden. Der Peu-à-peu-Umzug zu Fuß durch die Nachbarschaft zieht sich hin, soll aber Glasbruch vermeiden.

Kösters Wohnkultur zieht um – vom Prinzipalmarkt 45/46 (gegenüber der St.-Lamberti-Kirche) zum Prinzipalmarkt 27 (Ecke Michaelsplatz). Dort, wo bislang eine feine Adresse für sündhaft teure Abendkleider war. Doch für Escada hat es sich leider ausgetanzt. Jan und Kitty Eismann, die Kösters in der vierten Generation führen, waren sofort Feuer und Flamme für die Immobilie in exponierter Lage direkt gegenüber dem Rathaus. Vor allem die sechs großen Schaufenster entlang der Seite zum Michaelisplatz, die während der Umbauphase mit Folien in Regenbogenfarben abgeklebt sind, haben es dem Ehepaar angetan. Sie werden viel Licht in das neue Kösters, aber auch einen Einblick in das hochwertige Sortiment geben.

Tradition seit 1891

Die beiden E-Buchstaben sind noch als Griffe an den Eingangsglastüren. Stand für Escada, könnte auch für Eismann stehen. „Nein, die kommen weg“, sagt der Chef von Kösters. Eismanns Urgroßvater Wilhelm „Scherben Willi“ Kösters hatte das Unternehmen 1891 gegründet. Jan Eismann trat im Jahr 2008 in die Geschäftsführung ein und kaufte der Familie das Unternehmen 2016 ab. Nachdem Kösters vor langer Zeit an der Salzstraße und neben Stuhlmacher, wo heute Weitkamp ist, war, war Eismann Mieter des 500 Quadratmeter großen Ladenlokals an der Lamberti-Kirche in der eigenen Familie.

Nachfolge offen

Gemeinsam mit den Architekten und Ladenbauern Johannes und Sabine Grimme öffnet das Ehepaar Eismann nun das frühere, knapp 400 Quadratmeter große Escada-Ladenlokal. Auf dem ehemals schwarz glänzenden und nun grauen Granit-Fußboden sollen die Kunden über zwei Etagen zu den Schwerpunkten Living, Dining und Kitchen immer wieder neu inspiriert werden, „ohne den gedeckten Tisch zu vernachlässigen“, sagt Eismann.

Millas Regenbogen

Die Idee geht um die Welt. Ein bunter Regenbogen ist Zeichen der Hoffnung in der Corona-Pandemie. Vor allem Kinder malen ihn auf Papier oder mit Fingerfarbe ins Fenster. So wie die zehnjährige Milla, Tochter von Jan und Kitty Eismann. Sie malte ihren Regenbogen, versehen mit dem Zusatz „Alles wird gut“, in ein Schaufenster von Kösters Wohnkultur. Darunter klebt sie immer wieder Mini-Regenbogen zum Abreißen und Mitnehmen. Und das machen die Leute! 5000 Stück haben Milla und die Familie Eismann inzwischen gemalt. „Das Regenbogen-Malen begleitet uns bei unserem Abendprogramm“, sagt Jan Eismann.

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