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Neues Buch von Norbert Nientiedt

Pflegekräfte im Mittelpunkt

Münster

Über kaum einen Beruf wird so viel geredet wie über den Pflegeberuf. Buchautor Norbert Nientiedt gibt nun den Menschen, die in dem Beruf arbeiten, eine Stimme.

Von Gabriele Hillmoth

Norbert Nientiedt (r.) und Peter Glahn stellen das Buch „Menschen pflegen, das ist meins“ vor. Foto: Gabriele Hillmoth

Es gibt reichlich Vorurteile. Oft heißt es: „Pflege bedeutet, fremden Menschen den Hintern abzuputzen. Ein schlecht bezahlter Knochenjob.“ Norbert Nientiedt sind diese Floskeln ein Dorn im Auge: Der 74-Jährige hat darum beschlossen, gerade mit den Menschen zu reden, die in der Pflege tätig sind.

Aus der Vielfalt an Gesprächen entstand sein neues Buch „Menschen pflegen, das ist meins“. Pflegerinnen und Pfleger schildern darin, wie ihr Alltag wirklich aussieht, warum sie gerade diesen Beruf gewählt haben, aber sie üben auch Kritik. Und sie sagen auch deutlich, Beifall alleine reicht nicht, um die Aufgaben zu schultern.

Der frühere Schulseelsorger

Eigentlich hatte Norbert Nientiedt, ehemaliger Lehrer und Schulseelsorger am Berufskolleg Hildegardisschule, seiner Frau versprochen, kein Buch mehr zu schreiben. Doch dieser Vorsatz war nach dem Besuch auf den Pflegestationen in Münster schnell vergessen. Die Domfreunde, zu denen Norbert Nientiedt gehört und die sein Engagement jetzt unterstützen, überreichten dort im Sommer 2021 jeweils einen Pflegepreis.

Der 74-Jährige fackelte nicht lange und startete mit Peter Glahn, Geschäftsführer der Domfreunde, einen Aufruf – und stieß dabei auf starke Typen in der Pflege, im Hospiz und in Krankenhausbesuchsdiensten. Er sprach mit Ehemaligen, mit Azubis und Wiedereinsteigern. „Vielleicht“, hofft Nientiedt, „können wir mit Vorurteilen aufräumen“. Der Titel des Buches „Menschen pflegen, das ist meins“ sei die Summe aller Begegnungen.

Da wäre beispielsweise Mostafa Othmann, der aus Syrien stammt und heute in der Psychiatrie im Alexianer-Campus zum Pflegefachmann ausgebildet wird. Mit seiner Schwester flüchtete er damals aus dem brennenden Aleppo und schaffte es mit großer Energie bis nach Münster.

Kleinigkeiten können eine Lösung sein

Petra Aykin erfüllte sich erst im fortgeschrittenen Alter ihren Berufstraum und legte ihr Examen zur Altenpflegerin ab. Sie schaffte es, die wochenlange Sprachlosigkeit einer neuen Bewohnerin zu überwinden. Ein Regenschirm mit drei Dackeln war die Lösung. Der Mann der Bewohnerin hatte einst Bilder der geliebten drei Hunde auf einen Regenschirm drucken lassen. Das blieb unvergessen.

Und Mari Suppert, Pflegehilfskraft, ist überzeugt: „Menschen können länger leben, wenn man anders mit ihnen umgeht.“ Mit 18 Jahren entdeckte sie im Freiwilligen Sozialen Jahr ihre Freude an der Arbeit mit alten Menschen.

Norbert Nientiedt schafft in Kooperation mit der Initiative „Starke Pflege in Münster“ ganz besondere Einblicke in den Pflegealltag und gibt den Pflegenden eine Stimme. Das Buch ist im Ardey-Verlag erschienen.

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