1. www.muensterschezeitung.de
  2. >
  3. Lokales
  4. >
  5. Muenster
  6. >
  7. Plaudereien im Vorhof des Himmels

  8. >

Jürgen Stockel ist ehrenamtlicher Domführer

Plaudereien im Vorhof des Himmels

Münster

Jürgen Strockel engagiert sich ehrenamtlich als Domführer. Seine Rundgänge starten im „Paradies“ des Domes – dem Vorhof zum Himmel.

Von Gabriele Hillmoth

Jürgen Stockel begrüßt seine Gäste im Paradies.Jürgen Stockel begrüßt seine Gäste im Paradies. Foto: Gabriele Hillmoth

Jürgen Stockel ist ein Tausendsassa. Er hat sich vor Jahrzehnten nicht nur in seine Frau verguckt. Der 68-Jährige liebt auch die Sterne, beschäftigt sich mit der astronomischen Uhr im Dom und kennt sich mit der Geschichte der Kathedrale auf dem Horsteberg aus. Stockel führt Gruppen durch den Dom, ist Sprecher der ehrenamtlichen Domkustoden und gibt in der münsterischen Party-Band Bukowski als Bassist den Ton an.

Und für seine beiden Enkel hat der Opa aus Angelmodde sowieso immer Zeit. Der gebürtige Rheinenser, der seit ewigen Zeiten in Münster lebt, möchte aber überhaupt kein Vereinsmeier sein. Er macht das, was ihm Spaß macht, sagt er. „Und das mache ich freiwillig“. Ach ja, der Partnerschaftsverein Münster-Kristiansand, zu dessen Gründungsmitgliedern er gehört, zählt auch noch zu Jürgen Stockels Repertoire.

Jürgen Stockel begrüßt seine Gäste im Paradies. Foto: Gabriele Hillmoth

Eine Menge Herzblut und ein gutes Zeitmanagement lassen ihn das enorme Pensum schaffen. „Man muss sich organisieren.“

Gelassen durch den Dom

Jürgen Stockel strahlt Gelassenheit aus, als er an diesem Samstagmorgen eine Gruppe ehemaliger Lehrer aus ganz Deutschland zu einer Führung im Paradies trifft. „Herzlich willkommen“, begrüßt er die Gruppe, die mehr über den Dom erfahren möchte. Los geht es wie immer im Vorhof zum Himmel, im Paradies. Der 68-jährige Stockel plaudert über Kunstwerke und darüber, dass die Figuren im Paradies zu Kriegszeiten eingemauert waren und deshalb die Wirren unbeschädigt überstanden haben.

Dann ist der Freundeskreis startklar für noch mehr Details. Stockel erzählt über „seinen“ Dom als hätte er nie etwas anderes getan. Dabei wollte er eigentlich selbst mal Lehrer werden. Das Studium führte ihn 1975 nach Münster. Mathematik und Erdkunde für die Sekundarstufe II waren das Ziel. Doch es kam anders. Als Stockel beruflich in den Startlöchern stand, änderten sich plötzlich die Bedingungen. Der angehende Pauker sattelte um und ging in die Pharmaindustrie. Mit 59 Jahren wechselte der Regionalleiter in den Vorruhestand – „und ich hatte plötzlich viel Zeit“. Aber Jürgen Stockel wäre nicht Jürgen Stockel, wenn er keine neuen Pläne gehabt hätte. Von der Idee, Astronomie zu studieren, verabschiedete er sich aber schnell. Er widmete sich weiter den Sternfreunden, denen er trotz seines heftigen Jobs schon lange vor dem Ruhestand angehörte.

Weg führt zur astronomischen Uhr

Immer wieder führte ihn sein Weg in den Dom und zur astronomischen Uhr. Bei Stockel schlug es Zwölf, das Uhren-Thema ließ ihn nicht mehr los. Als ein älterer Domführer ihm das Wunderwerk erklärte, war es um ihn geschehen. „Wenn man einmal die Kalenderscheibe richtig durchschaut hat, dann wird es richtig spannend“, sagt der 68-Jährige. Es lag nahe, dass Jürgen Stockel schließlich Domführer und Domkustode wurde. Fragen, wo das Grab von „Bomben Bernd“ ist oder wie die astronomische Uhr im Dom tickt, können den Experten heute nicht erschüttern. Er führt die Lehrer an diesem Samstag gewohnt locker durch den Dom. Den Haarzopf trägt Stockel, seit er Rentner ist. Vorbild ist ein Musiker. „Mal sehen, wie lange es noch gut geht“, meint der Bassist gelassen. „Die Anzahl der Haare nimmt ja eher ab.“ Zwei Träume erfüllte sich der Angelmodder in der Corona-Zeit, denn plötzlich hatte er wieder viel Zeit. Er fing an, eine Modelleisenbahn aufzubauen, und er übt auf einem elektrischen Klavier. „Edvard Grieg bereitet mir Gänsehaut.“

Startseite
ANZEIGE