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Ausstellung und Gesprächsabend im Haus der Niederlande

Poesie und Krisen von heute

Münster

Etwa 150 Künstlerinnen und Künstler haben sich mit der Frage beschäftigt, mit welchen künstlerischen Formaten man dem derzeitigen Zustand der Welt begegnen kann. Die Ergebnisse sind in einer Ausstellung im Haus der Niederlande zu sehen.

Willem Bongers-Dek (v.l., Leitung „deBuren“), Kuratorin Anna Eble, Künstlerin Shamisa De Broey, Matthijs de Ridder (Paul Van Ostaijen-Biograf) und Künstlerin Hélène Gelèns. Foto: Stadt Münster/Kuiter

Mit welchen künstlerischen Formaten lässt sich dem derzeitigen Zustand der Welt begegnen? Mit dieser Frage haben sich rund 150 Künstlerinnen und Künstler über zwei Jahre lang beschäftigt. Als Grundlage diente der Gedichtband „Bezette stad“ („Besetzte Stadt“) des flämischen Dichters Paul van Ostaijen.

Alle Ergebnisse sind in einer Ausstellung zusammengeflossen, die nun bis zum 22. Mai im Haus der Niederlande im Krameramtshaus zu sehen ist und vom Kulturamt der Stadt Münster in Zusammenarbeit mit der flämisch-niederländischen Organisation „deBuren“ und der Paul-van-Ostaijen-Gesellschaft präsentiert wird.

Deutschlandpremiere

„Die Ausstellung wird in dieser Form nun erstmalig gezeigt und feiert in Münster ihre Deutschlandpremiere“, freut sich Kuratorin Anna Eble. In einem kleinen Kino können die Besucherinnen und Besucher außerdem audiovisuell in die Welt von „Befallene Stadt“ eintauchen.

Ergänzend dazu findet am Freitag (13. Mai) um 20 Uhr ein Lyrik- und Gesprächsabend in der Studiobühne der Universität Münster statt. In dessen Mittelpunkt steht das letzte Gedicht aus „Besetzte Stadt“, „De Aftocht“ („Der Rückzug“), in dem van Ostaijen von Berlin aus auf die Befreiung Antwerpens am Ende des Ersten Weltkriegs zurückblickt. Hundert Jahre später reagieren nun flämische, niederländische, deutsche und österreichische Künstlerinnen und Künstler, Dichterinnen und Dichter auf diesen Rückzug - in Bild, Sprache und Musik.

Ein Klassiker in den Niederlanden

Auf der Bühne geben unter anderem Franzobel, Maxim Februari, Karosh Tara, Reinout De Pauw und Seda Tunç künstlerische Antworten. Der Van-Ostaijen-Biograph Matthijs de Ridder führt das Publikum durch den historischen und künstlerischen Kontext.

Paul van Ostaijen (1896-1928) war ein Expressionist, dessen Werk sich den Einflüssen des Dadaismus und des frühen Surrealismus öffnete. „In seiner Heimat ist er längst ein Klassiker, hierzulande muss er neu entdeckt werden“, heißt es in der Pressemitteilung der Stadt Münster. Nach dem Ersten Weltkrieg lebte Paul van Ostaijen in Berlin. Er schrieb dort den Gedichtband „Bezette Stad“ („Besetzte Stadt“), der die Geschichte eines jungen Mannes aus Antwerpen erzählt, den es in eine Welt verschlagen hat, die durch die Auswirkungen des Krieges tief in der Krise steckt. Anlässlich des 125. Geburtstages von Paul van Ostaijen und des 100. Geburtstages von „Besetzte Stadt“ untersuchten das Kulturhaus „deBuren“ und die Paul-van-Ostaijen-Gesellschaft ab März 2020 in dem Projekt „Besmette Stad“ (“Befallene Stadt“) die Parallelen zwischen der Krise, in der sich die Welt nach dem Ersten Weltkrieg befand, und den heutigen Krisen.

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