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Missbrauchsfall in Münster

Politik strebt besseren Austausch unter Behörden an

Münster/Düsseldorf

Mit dem Missbrauchskomplex Münster haben sich drei Landtagsausschüsse in einer Sondersitzung beschäftigt. Ein verbesserter Austausch zwischen Behörden und Ämtern wird angestrebt. [Mit Video]

Dirk Anger

Sondersitzung in Düsseldorf zum Missbrauchskomplex Münster: Familienminister Joachim Stamp (stehend, l.) und Innenminister Herbert Reul Foto: Marcel Kusch/dpa

Als sich um 9 Uhr in Düsseldorf die Landtagsabgeordneten von Innen-, Rechts- und Familienausschuss versammeln, um in einer gemeinsamen Sondersitzung den jüngst in Münster enttarnten Missbrauchsfall ungeahnter Dimension aufzuarbeiten, haben die Ermittler schon wieder geliefert.

Sechs neue Tatverdächtige, drei von ihnen verhaftet – diese Nachricht verkündet Innenminister Herbert Reul (CDU), ehe es gut vier Stunden lang um Fragen zu früheren Ermittlungen gegen den Hauptverdächtigen Adrian V., die Arbeit der Staatsanwaltschaft und die Rolle des münsterischen Jugendamts geht – „in sachlicher Atmosphäre“, wie Simone Wendland, CDU-Landtagsabgeordnete aus Münster, feststellt, die wie ihre grüne Kollegin aus der Domstadt, Josefine Paul, als Ausschussmitglied an der Sitzung teilnimmt.

Landtagsabgeordnete beraten über Konsequenzen

Ein vorläufiges, aber über Parteigrenzen geteiltes Ergebnis dieser Beratungen, die auf Antrag der SPD-Fraktion trotz Sommerpause stattfinden: Der Informationsaustausch unter Behörden und Ämtern soll im Fall von sexuellem Missbrauch verbessert werden.

Video in Kooperation mit dem WDR:

„Wesentlich ist die Frage, wie alle beteiligten Behörden noch frühzeitiger und enger zusammenarbeiten“, sagt Wendland nach der Sitzung. Von einer „Schnittstellen-Problematik“ spricht Josefine Paul in diesem Zusammenhang. „Es braucht eine bessere Vernetzung und Verzahnung“, meint die Grünen-Fraktionsvize.

Jugendamt über Monate ohne Kenntnis der Ermittlungen

Auch schnellere Mitteilungen an das Jugendamt seien notwendig, erklärt Paul. So hatten sich im aktuellen Fall die Ermittlungen gegen den schon einschlägig wegen des Besitzes von Kinderpornografie vorbestraften Adrian V. aus Münster über Monate hingezogen, ohne dass das Amt etwas davon erfuhr. Das hatte zur Folge, dass sich Adrian V. auch noch am Sohn seiner Lebensgefährtin vergangen haben soll, als ihm die Ermittler immer dichter auf den Fersen waren.

Aus diesem Grund soll nach Vorstellung von Wendland und Paul die interne Anordnung, die Mitteilungen in Strafsachen regelt, im Bereich des sexuellen Missbrauchs konkretisiert werden. „Wir wollen die Auslegungsmöglichkeiten geringer halten, damit mehr gemeldet wird“, begründet Paul das Ziel. Zugleich beklagt sie, dass in einem früheren Verfahren weder Familiengericht noch Jugendamt mit dem heute zehnjährigen Jungen selbst gesprochen hätten.

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