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Weihnachten

Präsenzgottesdienste im Münsterland – Evangelische Kirche rät zu Verzicht, Bistum bleibt dabei

Bielefeld/Münster

Was wird aus den Weihnachtsgottesdiensten im Münsterland? Während die Evangelische Kirche von Westfalen ihre Gemeinden aufruft, auf Präsenzveranstaltungen zu verzichten, hält das Bistum Münster an den geplanten Feiern unter Schutzvorkehrungen fest.

lnw/fpl

In Münsters Dom soll es wie geplant eine Christmette geben. Die Teilnehmerzahl ist dabei beschränkt, um Abstände einhalten zu können. Foto: Oliver Werner

Die Evangelische Kirche von Westfalen hat ihre Gemeinden aufgerufen, wegen der Corona-Pandemie auf jegliche Präsenzgottesdienste an Weihnachten zu verzichten. Ab sofort und bis zum Ende des Lockdowns am 10. Januar sollten die 465 Kirchengemeinden weder in Kirchen oder Gemeindehäusern noch unter freiem Himmel Gottesdienste mit Besuchern feiern oder andere Versammlungen abhalten, heißt es in der „dringenden“ Empfehlung der viertgrößten deutschen Landeskirche.

Zwar sei den Kirchen das Feiern von Gottesdiensten nicht untersagt worden, erklärte das Landeskirchenamt. „Angesichts der gegenwärtigen und deutlich veränderten Lage - trotz der bisher bewährten Schutzkonzepte – halte es die Landeskirche für ein Gebot der Vernunft, auf Versammlungen von Menschen möglichst zu verzichten, um Menschen nicht zu gefährden“, erklärte die westfälische Präses Annette Kurschus. Die meisten Kirchen seien als Orte der Stille und des Gebets jedoch geöffnet.

Bistum Münster hält an Präsenzgottesdiensten fest

Das Bistum Münster hält dagegen an der Feier von Präsenzgottesdiensten fest. Wie das Bistum am Mittwoch erklärte, orientiere man sich an den Empfehlungen der Wissenschaft, die den Kirchen einen besonders regelkonforme Einhaltung der coronabedingten Abstands- und Hygieneauflagen attestiert. Zudem habe man die Bedingungen weiter verschärft, unter anderem mit dem Verzicht auf Gemeindegesang und einer begrenzten Teilnehmerzahl.

„Gottesdienste sind gerade in diesen Zeiten ein wichtiges Zeichen der Solidarität, des Trostes, der Hilfe und auch der Geborgenheit sind. Gottesdienste können Menschen Halt und Kraft geben“, heißt es wörtlich. Dies habe man auch in der Zeit des ersten Lockdowns im Frühjahr erfahren.

Die Mitteilung des Bistums Münster im Wortlaut

Die Evangelische Kirche von Westfalen hat am 15. Dezember ihren Kirchengemeinden empfohlen, auf Präsenzgottesdienste bis zum 10. Januar zu verzichten. Das Bistum Münster bezieht dazu wie folgt Stellung:

Wir respektieren die Empfehlung der Evangelischen Kirche von Westfalen. Andere evangelische Landeskirchen halten dagegen an der Feier von Präsenzgottesdiensten fest. Das tun wir auch im Bistum Münster.

Wir würden im Bistum Münster keine Entscheidung treffen, die – nach aller Wahrscheinlichkeit und Plausibilität – dazu führen könnte, das Infektionsgeschehen zu erhöhen. Wir orientieren uns daher bei unserem Vorgehen auch an dem, was die Wissenschaft sagt. Die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina hat schon in der vergangenen Woche betont: „Die beiden großen Kirchen gehören zu den besonders regelkonformen Institutionen mit Blick auf die Einhaltung der coronabedingten Abstands- und Hygieneauflagen.“ Zwar hat sich das Infektionsgeschehen seitdem weiter zugespitzt. Aber die Gottesdienste – gerade an Weihnachten – finden auch unter noch einmal deutlich verschärften Bedingungen statt. Neben den zugespitzten staatlichen Vorgaben – so ist der Gemeindegesang etwa grundsätzlich untersagt – haben die Verantwortlichen vor Ort, sehr verantwortungsvolle Konzepte entwickelt: Es gibt in vielen Pfarreien eine deutlich höhere und vielfältigere Zahl an Gottesdiensten mit nach oben klar begrenzten Teilnehmerzahlen, es gibt Anmeldesysteme, Gottesdienste werden im Freien gefeiert und für diejenigen, die aus welchen Gründen auch immer, den Gottesdienst nicht vor Ort mitfeiern können oder möchten, gibt es Gottesdienstüberragungen im Internet. In den Gottesdiensten sind zudem natürlich die Abstands-, und Hygieneregeln einzuhalten. Alle diese Maßnahmen zeigen, dass es auch für uns und für alle Verantwortlichen in den Pfarreien in unserem Bistum, ein zentrales Ziel ist, die Gesundheit der Menschen zu schützen. Niemand handelt hier fahrlässig.

In der allgemeinen Öffentlichkeit wird die Entscheidung für Präsenzgottesdienste von vielen dennoch sehr kritisch gesehen. Dabei wird übersehen, dass Gottesdienste gerade in dieser Zeit für die Menschen, die sie mitfeiern, ein wichtiges Zeichen der Solidarität, des Trostes, der Hilfe und auch der Geborgenheit sind. Gottesdienste können Menschen Halt und Kraft geben. Im Frühjahr wurden die Kirchen beim ersten Lockdown von vielen Seiten kritisiert, weil sie freiwillig auf Präsenzgottesdienste verzichtet haben: „Wo war die Kirche? Wo hat sie den Menschen Halt gegeben?“ Diese Kritik haben wir uns zu Herzen genommen und möchten den Menschen, für die das sehr zentral ist, die Möglichkeit geben – unter wie gesagt sehr strikten Rahmenbedingungen – Halt, Trost und Zuversicht in der Mitfeier von Gottesdiensten zu finden.

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