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Erstmalig in Europa ist die Nachzucht geglückt

Psychedelische Felsengeckos im Allwetterzoo

Münster

Zuchterfolg im Allwetterzoo: Als erstem europäischen Zoo ist es ihm geglückt, Psychedelische Felsengeckos nachzuzüchten. Die Art, die eigentlich in Südostasien beheimatet ist, macht ihrem Namen alle Ehre.

Von und

Eines von insgesamt zwei Jungtieren, die im Allwetterzoo Münster zur Welt gekommen sind. Foto: Allwetterzoo Münster

Der Psychedelische Felsengecko (Cnemaspis psychedelica Grismer) ist noch nicht sehr lange der Wissenschaft bekannt. Erst im Jahr 2010 wurde das kleine Tier auf den kleinen, dem südlichen Vietnam vorgelagerten, Inseln Hon Khai und Hon Tuong gefunden. Dem Allwetterzoo ist es nun als erstem europäischen Zoo gelungen, die Art nachzuzüchten. Das Team hofft, dass die Jungtiere der erste Beitrag zu einem nachhaltigen Erhaltungszuchtprogramm sind.

Psychedelische Felsengecko – der Name ist Programm, so der Zoo in einer Pressemitteilung vom Freitag. Sein Artname psychedelica bezieht sich auf seine farbige und leuchtende Musterung. Die wiederum erinnert an die Mode der Flower-Power-Generation. Doch eben diese besondere Färbung ist der Art zum Verhängnis geworden und führte unter anderem zu ihrer Bedrohung. Das Team vom Allwetterzoo Münster führt dieser besondere Gecko zudem in ein moralisches Dilemma in Sachen Artenschutz.

Verbreitungsgebiet ist winzig

Das Verbreitungsgebiet des Psychedelischen Felsengeckos ist winzig. Hon Khoai Island, die größere der beiden Inseln, ist nur acht Quadratkilometer groß. Hon Tuong ist noch kleiner und nur eine kleine Felseninsel, die der Hauptinsel vorgelagert ist. Dementsprechend klein ist auch die Population. Geschätzt wird sie insgesamt auf nur rund 500 erwachsene Tiere. „Da macht es mich natürlich sehr stolz, dass wir es hier geschafft haben, diese Art als erster europäischer Zoo zu züchten“, sagt Christian Langner, Leiter des Internationalen Zentrums für Schildkrötenschutz (IZS) im Allwetterzoo, wo die Tiere untergebracht sind.

Obwohl beide Inseln nicht betreten werden dürfen, tauchten ab 2013 wiederholt Tiere auch in Europa auf. Hier wurden sie auf entsprechenden Plattformen für bis zu 3000 Euro das Paar angeboten. Ein Preis, der sicherlich durch die Seltenheit und die Farbenpracht der Geckos zustande kam. Nur, bei einer so kleinen Population, ist jede Entnahme eines Individuums aus der Natur gleich eine mögliche Gefährdung für die gesamte Art. Daher wurde der Psychedelische Felsengecko 2016 in Anhang I des Washingtoner Artenschutzabkommen CITES aufgenommen und wird in der Roten Liste der Internationalen Artenschutzorganisation IUCN in der Kategorie stark gefährdet (endangered) geführt.

Tiere werden illegal der Natur entnommen

Studien haben laut Allwetterzoo gezeigt, dass trotzdem immer wieder Tiere in geringer Individuenzahl im Handel angeboten wurden. Hier liegt der Verdacht nahe, dass zumindest einige von ihnen illegal der Natur entnommen wurden. „Und hier beginnt eigentlich das moralische Dilemma, mit dem wir im Artenschutz oft konfrontiert sind“, erläutert Dr. Philipp Wagner, Kurator für Forschung und Artenschutz am Allwetterzoo. „Wir wissen natürlich, dass unsere Tiere höchstwahrscheinlich von Tieren abstammen, die ursprünglich illegal der Natur entnommen wurden. Und obwohl ich ganz persönlich diese illegalen Entnahmen ablehne und wir uns in unserem Schildkrötenzentrum immer wieder deutlich dagegen positionieren, so haben wir hier diese Tiere dennoch übernommen, um mitzuhelfen, die Art nachhaltig zu sichern.“

Akute Bedrohung durch Affen

Daneben gebe es aber noch weitere akute Bedrohung, die ein Überleben der Art in der Natur erschweren. Auf der kleinen Insel wurden Javaneraffen eingeschleppt die dabei beobachtet wurden wie sie die Geckos selbst, aber auch deren Eier fressen. Zudem wird gerade der Lebensraum der Art massiv zerstört.

Der Lebensraum des Geckos sind große Granitfelsen in schattigen Waldgebieten. Hier verstecken sie sich in kleinen Felsspalten und nutzen exponierte Felsstellen zum Sonnen. Ihre jeweils zwei Eier pro Gelege kleben sie unter überhängende Felsstrukturen. Doch gerade die für die Reptilien so wichtigen Felsformationen werden für Infrastrukturmaßnahmen gesprengt. Neueste Erkenntnisse zeigen sogar, dass die Bedrohung durch die Zerstörung des Lebensraumes deutlich stärker einzuschätzen ist als der nun reglementierte Handel der Art.

Lebensraum massiv zerstört

Die massive Zerstörung des Lebensraumes dieser Tiere führte dazu, dass unter Beteiligung des Kölner Zoos bereits im Jahr 2014 eine Erhaltungszuchtanlage für den Psychedelischen Felsengecko auf der Insel Hòn Mê aufgebaut wurde. Ein Jahr später gelang dort auch die Welterstnachzucht der Art. Seitdem ist der Gecko eine der Fokusarten, in der sehr erfolgreichen Zusammenarbeit zwischen Vietnam und dem Kölner Zoo.

Der Zuchterfolg in Vietnam ist aktuell noch relativ gering und reicht für eine potenzielle Auswilderung der Art nicht aus. Daher wurde kürzlich von den Projektpartnern gemeinsam entschieden, die Nachzuchtbemühungen in Europa auszubauen. Umso erfreulicher ist die Nachzucht im Allwetterzoo als ein erster Beitrag zur Etablierung einer europäischen koordinierten Erhaltungszucht des Psychedelischen Felsengeckos.

„Und genau hier löst sich eigentlich das moralische Dilemma auf“, führt Wagner aus. „Die Tiere, die jetzt ohnehin schon in Europa gehalten werden, sollten in einem von einer Institution organisierten Erhaltungszuchtprogramm zusammengeführt werden, in dem Zoos und Privathalter zusammenarbeiten. So können wir erreichen, dass die Tiere nicht wieder aus der europäischen Haltung verschwinden, sondern stattdessen zu einem Überleben der Art beitragen. Auf lange Sicht kann die in Europa aufgebaute Population in ein Auswilderungsprojekt integriert werden.“

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