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Fotobuch „Yesterday‘s Kids“

Punks im Porträt

Münster

Wo sind die Punks von früher? Tim Hackemack ist dieser Frage nachgegangen und hat (noch aktive) 77 Punks aufgesucht, gesprochen und fotografiert. Jetzt ist sein Buch erschienen. Ein dickes Ding.

Carsten Vogel

Kübel ist einer der von Hackemack 77 Porträtieren in dem Buch „Yesterday’s Kids“: Der mittlerweile 50-Jährige ist von Erlangen nach Berlin gezogen und fühlt sich in der Hauptstadt mittlerweile rundum wohl. Foto: Tim Hackemack

Ein wuchtiger Wälzer, den Tim Hackemack da in den Händen hält. 2,2 Kilogramm Buch sind in vier Jahren Arbeit entstanden, und jedes Gramm davon ist es wert, gesehen, gelesen und genossen zu werden. „Yesterday’s Kids” ist ein Buch über Punk und über Punks, die auch heute noch aktiv sind: „Es ist keiner dabei, der früher ein Punk war und heute nur noch auf der Couch liegt”, sagt der 37-Jährige.

77 Menschen porträtiert Hackemack mit Worten, vor allem aber in seinen fantastischen Fotografien. Häufig in Schwarz-Weiß, manchmal auch in Farbe. „Man kann darüber diskutieren, ob 1977 das Geburtsjahr des Punks in England war – aber 77 klingt besser als 76”, erzählt der gebürtige Münsterländer, wie die eigentümliche Zahl zustande gekommen ist, und in sein Lachen mischt sich etwas Stolz. Es sind nicht nur Menschen aus Münster und Umgebung, die er für dieses Projekt begeistern konnte; Hackemack hat für sein Opus magnum über 15.000 Kilometer zurückgelegt.

Mehr Männer als Frauen

Die Punks von einst heißen Düsi, Schlumpf, Schleimi, Myriam oder Mabuse und haben alle eine spannende Geschichte zu erzählen, die ihnen der zweifache Vater entlockt. „Die Quote der Frauen ist leider geringer, es sind – glaube ich – 59 Männer in dem Buch.“

„Angefangen hat es mit Frank Herbst, dem ich die Idee vorgeschlagen habe und der mich dazu ermutigt hat, das Buch zu machen. Er kommt jetzt auch tatsächlich darin vor.“ Ebenso habe ihn das Kompendium „Keine Zukunft war gestern” inspiriert, das die Punkszene in Deutschland anhand von Zitaten Revue passieren lässt.

Foto-Ausstellung in verschiedenen Städten

Die Eingangsfrage, wie und wann die jeweiligen Personen zum Punk gekommen sind, ist immer identisch. Und so liest man über Konzerte, Kneipennächte und vom Knast. Immer wichtig: die Ideologie, die heute noch genauso immanent ist wie damals. Myriam erzählt, wie sie Konzerte im legendären SO36 in Berlin-Kreuzberg organisiert, Eddy von der Leipziger Szene, wie er seine Stasi-Akten eingesehen hat, Tost von seinem anhaltenden Interesse an Grindcore-Bands und seiner Band Volxsturm, und Loll berichtet, wie man als Rollstuhlfahrer bei Punk-Shows behandelt wird.

Auf Stars hat Hackemack bewusst verzichtet. Allenfalls Ole Plogstedt hat mittlerweile einen gewissen Bekanntheitsgrad. Der Schwerpunkt liegt auf den Fotos. Und gerade weil Hackemack auf den Vergleich mit Bildern aus der Zeit von vor 30 bis 40 Jahren verzichtet („Ich wollte das nicht, das gibt es schon zu oft – es sind ausschließlich meine Bilder”), entsteht ein rundes Bild eines Lebensgefühls, das heute noch genauso akut ist wie damals.

Als Nächstes stehen Ausstellungen auf dem Programm. Zunächst in Bochum, Bremen und Berlin. Ab dem 26. August dann in der Titanick-Halle am Hawerkamp. Die Ausstellung endet am 24. September, genau an dem Tag, an dem Slime in Münster ein Konzert spielen – ausgerechnet die Band, deren Album „Viva la Muerte” großen Einfluss auf sein Leben hatte. So fügt sich zusammen, was zusammengehört.

Release-Party

27. Mai (Freitag), Heile Welt, Hörsterstraße 33.

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