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Schwere Ausschreitungen am Aasee

Randalierer bewerfen Polizisten mit Flaschen und Böllern

Münster

Zwischen Polizeibeamten und mehreren hundert Feiernden ist es in der Nacht auf Samstag am Aasee zu heftigen Auseinandersetzungen gekommen. Aggressive Kleingruppen warfen nach der Räumung der Wiesen mit Flaschen und Böllern, Einsatzkräfte verfolgten die Randalierer bis in die Innenstadt.

Von Timo Gemmeke

Nach der Räumung der Aasee-Wiese sahen sich die eingesetzten Polizeibeamten einer immer aggressiveren Menge gegenüber. Foto: Timo Gemmeke

Bereits um Mitternacht war die Stimmung an den Aassekugeln deutlich gereizter als noch am frühen Abend. Hielten sich die meisten Feiernden dort größtenteils an die für das vergangenes Wochenende geltenden Regelungen von Polizei und Ordnungsamt – keine Glasflaschen, wenig Grillen und Musik, gesperrte Wege – änderte sich dies fast schlagartig mit einsetzender Dunkelheit. Kurz nach 24 Uhr gerieten zwei junge Männer nahe den Aaseekugeln aneinander. Eingreifende Polizisten konnten einen der beiden nur schwer unter Kontrolle bringen, sodass sie ihn mit mehreren Personen am Boden fixierten und Pfefferspray einsetzten. Dabei wurden die Einsatzkräfte teils von den umstehenden Personen angegriffen und beleidigt.

Nur wenige Minuten später kam es zu einem weiteren Einsatz, bei dem Polizei und Notarzt einen jungen Mann von der Wiese bargen, der verletzt am Boden lag. Parallel dazu versuchten andere Einsatzkräfte, einen jungen Mann von einer der Aaseekugeln herunterzuholen, auf der dieser mit nacktem Oberkörper vor der feiernden Menge posierte. Kurz darauf entstand eine weitere Schlägerei, nach der ein Mann in Gewahrsam genommen wurde. Auch hier wurden die eingreifenden Polizisten aus der Menge heraus angegriffen und mit der Parole „ACAB“ (engl. All Cops are Bastards) beschimpft. Wieder setzten die Beamten Pfefferspray ein.

Gegen zwei Uhr traf dann ein weiterer Teil der Bereitschaftspolizei am Aasee ein. Mithilfe der bereits eingesetzten Polizisten bildeten sie eine Kette und trieben die Menge in Richtung Wiese, mit der Aufforderung, den Platz zu verlassen. Die Feiernden reagierten teils panisch, viele rannten davon, andere suchten vereinzelt die Konfrontation mit der Polizei.

An der Aegidiistraße wurden weiter Flaschen geworfen, aber auch Blumentöpfe und Steine. Die Einsatzkräfte griffen immer wieder auf kleine Personengruppen zu, wurden jedoch teilweise auch wieder zurückgedrängt. Erst nach knapp einer halben Stunde beruhigte sich die Stimmung auch dort. Das im Laufe der Nacht immer aggressiver werdende Verhalten der Feiernden bestätigt auch die Polizei.

„Unter den Hunderten vorwiegend friedlich feiernder Besucher waren erneut einige Personen, die das Beisammensein durch aggressives und gewalttätiges Verhalten störten“, so Vanessa Arlt, Pressesprecherin der Polizei. Es sei zu mehreren Körperverletzungsdelikten gekommen; bei einer Gewahrsamnahme sei ein Polizist leicht verletzt worden.

Fünf Menschen in Polizeigewahrsam

Bei den anschließenden Auseinandersetzungen auf der Weselerstraße habe es keine Verletzten gegeben. In der Aegidiistraße sei es jedoch zu Sachbeschädigung und Lärmbelästigung gekommen. Insgesamt seien laut Polizei Anzeigen wegen Körperverletzungsdelikten, Beleidigung, Widerstands, versuchter Gefangenenbefreiung, Sachbeschädigung und gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr gefertigt worden. Fünf Person wurden in Gewahrsam und über Nacht mit ins Polizeipräsidium genommen.

„Die Ermittlungen zu den Flaschenwürfen dauern an“, so Arlt. Bereits in der Nacht äußerte sich Oberbürgermeister Lewe, der ebenfalls vor Ort war, zu den Vorfällen. Derartige Ausschreitungen habe er „noch nie in Münster erlebt“. Besonders erschreckend seien nicht nur einzelne Störer, sondern kollektive Angriffe aus Gruppen heraus auf Polizeibeamte, so das Stadtoberhaupt. „Die Vorkehrungen haben fast den gesamten Abend über gute Wirkung gezeigt. Was danach passiert ist, ist erschreckend.“ Polizeipräsident Falk Schnabel, auch anwesend, wies ebenfalls auf die besonders feindliche Stimmung gegenüber den Polizisten und anderen Einsatzkräften vor Ort hin. Derartiges Verhalten einiger Feiernder mit zu hohem Alkoholpegel sei „in keiner Weise zu tolerieren“.

In der Aegidiistraße hielt sich ein Teil der Feiernden besonders hartnäckig. Foto: Timo Gemmeke
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