Prozess am Landgericht

Reduzierte Strafe für Vergewaltiger

Münster

Vier Jahre und sieben Monate Haft statt ursprünglich über sechs Jahre: Am Landgericht Münster hat die 22. Strafkammer das Strafmaß für einen Münsteraner, der wegen der Vergewaltigung seiner Ex-Freundin zu einer Haftstrafe verurteilt wurde, nach unten korrigiert.

Pjer Biederstädt

Am Landgericht Münster hat die 22. Strafkammer das Strafmaß für einen Vergewaltiger nach unten korrigiert, nachdem der Bundesgerichtshof Rechtsfehler festgestellt hatte. Foto: Matthias Ahlke

Sechs Jahre und vier Monate Haft – so lange sollte ein 38-jähriger Münsteraner eigentlich ins Gefängnis. Am 1. Juli 2020 sprach ihn die 9. Strafkammer des Landgerichts schuldig, seine Ex-Freundin ein Mal im Jahr 2009 sowie bei zwei Gelegenheiten zehn Jahre später vergewaltigt zu haben. Nach einer Revision durch den Bundesgerichtshof (BGH) landete der Fall erneut beim Landgericht. Das kam am Montag in puncto Strafmaß zu einem neuen Ergebnis.

Das Urteil sieht nur noch eine Haftstrafe von vier Jahren und sieben Monaten vor. Gerichtssprecher Dr. Steffen Vahlhaus erklärte dazu: Der BGH habe Teile, nicht aber das gesamte Urteil aufgehoben, sodass die Beweisaufnahme nicht von vorne habe beginnen müssen. Der BGH habe bemängelt, dass im ersten Urteil das ambivalente Verhältnis des Angeklagten zum Opfer nicht ausreichend berücksichtigt worden sei.

An Karneval auf Küchentisch missbraucht

Die beiden führten offenbar eine schwierige „On-Off-Beziehung“. Mehrmals habe die Polizei Streitereien schlichten müssen. Drogen hätten eine Rolle gespielt, der vielfach Vorbestrafte habe gedroht, sie „kalt zu machen“, und immer wieder in ihrer Wohnung randaliert, hieß es im Prozess im Juli.

Damals wie heute sah es das Gericht als erwiesen an, dass der Verurteilte seine ehemalige Lebensgefährtin im Jahr 2009 an Karneval auf dem Küchentisch missbrauchte und sie nach Gefängnisaufenthalten 2019 erneut vergewaltigte. Der in Münster Inhaftierte, der mit dem Opfer ein gemeinsames Kind hat, hingegen beteuerte erneut: „Ich habe die Mutter meines Sohnes nie missbraucht.“

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