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Närrisches Tennengericht

Roberto singt sich in die Freiheit

Münster

Schlagerstar Roberto Blanco und „Bauer sucht Frau“-Oberhirte „Schäfer Heinrich“ konnten sich vor dem jecken Tennengericht der Karnevalsgesellschaft Paohlbürger mit Talent und Humor in die Freiheit singen.

Helmut P. Etzkorn

Roberto Blanco singt sich vor dem Paohlbürger-Tennengericht frei. Links Tagesschau-Ikone Dagmar Berghoff, dahinter Frank Pagalies (Ehrengarde Düsseldorf). Ganz rechts „Schäfer Heinrich“ und links neben ihm Generalprinzmarschall Bernard Homann. Im Hintergrund (v.l.) das Gericht Hermann Beckfeld, Dr. Bernhard Stähler und Michael Schaedel. Foto: hpe

Er will früher einmal Josephine Baker beim musikalischen Duett auf der Bühne „die Bananen neben der Gürtelschnalle abgeknabbert haben“ – und verdankt nach eigener Einschätzung seine TV-Karriere der Tatsache, dass zu Beginn der Sängerlaufbahn die röhrenlastigen Fernseh-Empfangsgeräte noch schwarz-weiß flimmerten.

„Die suchten bei den vielen hellhäutigen Künstlern einen Schwarzen für den Kontrast. Und das war meine Chance“, meint Roberto Blanco am Sonntagmittag beim närrischen Tennengericht der Paohlbürger.

Zunächst in Handschellen vorgeführt, gibt sich Blanco selbstbewusst. „Meine Seele ist weiß, mein Körper schön schwarz. Das wissen alle Frauen in Deutschland, die ihn genossen haben“, sagt der Sänger und Entertainer. Und hat Sympathien für den neuen Tennengericht-Moderator Harry Wijnvoord, der ein glänzendes Debüt hinlegt. „Jeder Mensch, der zu uns kommt, ist willkommen. Wir sind auch offen für Holländer“, meint „Roberto Marquis de Blanco“, wie er vom Richter Dr. Bernhard Stähler vorgestellt wird.

Und natürlich sind es nicht nur Worte, mit denen der Sänger die Narrenherzen erobert. Mit „Der Puppenspieler von Mexiko“ und „Ein bisschen Spaß muss sein“ mischt er den Saal auf und „singt sich mit Erfolg frei“, so Staatsanwalt Michael Schaedel.

„Tagesschau“-Legende Dagmar Berghoff bekommt von Verteidiger Hermann Beckfeld Vorschusslorbeeren. „Sie kam in all den Jahren nie eine Sekunde zu spät in unsere Wohnzimmer und schaffte es als Frau, in 14 Minuten noch vor der Wetterkarte auf den Punkt zu kommen. Und sie hat uns noch angelächelt und nicht auf den Teleprompter geschaut.“

Berghoff serviert dem Richter Labskaus aus der hanseatischen Heimat und verliest mit Außenreporter „Harry Slimfast“ Notizen aus der Provinz: „Münster. Das Tennengericht ist die beste Karnevalsveranstaltung in Deutschland.“ Das reicht, um die „Freifrau von Tages- und Themen“ vor dem Kerker erfolgreich zu retten.

Da hatte es Schäfer Heinrich, der lange vergebens im RTL-Verkuppelformat „Bauer sucht Frau“ eine schöne Maid suchte, schon schwerer. Er schwärmt zwar von seinen hübschen Schwattkopfschafen und einer neuen Praktikantin, die eine „scha(r)fe Biene“ sei, doch so richtig kann das die jecken Ankläger nicht überzeugen. Erst als er sein „Schäferlied“ vorträgt und noch „Ladykiller“ nachlegt, zeichnet sich ein mitleidig-mildes Urteil ab. Blanco erklärt sich schließlich nach einigen Doppelkorn bereit, den Schäfer bei musikalischen Anfragen als „schwarzes Schaf“ gesanglich zu unterstützen. „Reicht“, meint Richter Stähler und gibt dem „RTL-Landgrafen von Vieh und Herde“ die Freiheit der Koppel zurück.

Frank Pagalies, Präsident der Ehrengarde Düsseldorf, hat seine uniformierten Soldaten gleich mitgebracht und beschwört eine neue rheinisch-westfälische Narrenfreundschaft. Sein Motto: „Köln hat den Frohsinn jedenfalls nicht erfunden, aber die Westfalen sind noch etwas zu langsam. Das ändern wir nun!“

Auch Generalprinzmarschall Bernard Homann kann sich mit Champagner vor dem Narrenknast retten. Der Immobilen-Chefmakler will den Paohlbürgerhof ausbauen. Dafür gibt es viel Beifall.

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