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Der Publizist und Rezitator Rainer Schepper ist im Alter von 94 Jahren gestorben

Sachwalter der niederdeutschen Sprache

Münster

Der Pädagoge, Publizist, Schriftsteller und Rezitator Rainer Schepper ist am 8. August mit 94 Jahren in Münster gestorben. Zeitlebens fühlte er sich dem Werk Augustin Wibbelts (1862-1947) verpflichtet. Ein Nachruf.

Von Johannes Loyund Gerhard Heinrich Kock

Rainer Schepper im Jahre 2012 Auge in Auge mit seinem berühmten Mentor Augustin Wibbelt (1862-1947) Foto: Gerhard Heinrich Kock

„Besonders herzlich ist unser Abschied, und immer wieder geben wir uns die Hand. Ich kann mich nicht von seinem Bett trennen.“ So hat Rainer Schepper seinen Besuch am 4. August 1947 bei dem Pastor und niederdeutschen Schriftsteller Augustin Wibbelt protokolliert. Es ist die letzte Begegnung des 20-jährigen mit seinem großväterlichen Freund: Am 14. September stirbt Wibbelt kurz vor Vollendung des 85. Lebensjahres. Wibbelt hat den jungen Rainer Schepper geprägt. Am 8. August ist der spätere Pädagoge, Publizist, Schriftsteller und Rezitator mit 94 Jahren in Münster gestorben. Dies teilte seine Familie mit.

Die von Krieg und Not überschattete Jugend und die Begegnung mit Augustin Wibbelt sind zentrale Motive im Leben Rainer Scheppers, der im Münsterland viele Spuren hinterlassen hat, mehrere berufliche Sprünge wagte und Konflikten nicht aus dem Weg ging. Dass er sich dabei aufgrund seiner persönlichen Begegnung mit Wibbelt als auserwählter Sachwalter des Schriftstellers sah, führte gerade in den letzten Jahren seines Lebens immer wieder auch zu inhaltlichen Auseinandersetzungen mit der von ihm 1983 gegründeten Wibbelt-Gesellschaft.

Rainer Schepper, 1927 in Münster geboren, verbrachte erste, noch unbeschwerte Jahre seiner Kindheit in seinem Elternhaus in der Junkerstraße in Münster, bis sein Vater als Studienrat an das Gymnasium Arnoldinum nach Burgsteinfurt versetzt wurde. Schwierige Familienverhältnisse und der Weltkrieg bewirkten Umzüge und Brüche in Kindheit und Jugend. 2009 fasste Schepper im Agenda-Verlag seine Erlebnisse als jugendlicher Deserteur zusammen, der gegen seinen Willen an die Front abkommandiert wurde. Schepper wäre in unserer Zeit ein Wehrdienstverweigerer aus Gewissensgründen gewesen. Schon 1942, vor dem Untergang in Stalingrad, war ihm aufgegangen, dass das Hitler-Regime aus Verbrechern bestand, der Krieg zutiefst verwerflich war und er keinen Schuss auf Menschen abgeben könne. Als letztes Aufgebot gegen die Rote Armee im Osten geworfen, floh Schepper von Schlesien aus gen Westen. Dreimal desertierte er und tarnte es als „Versprengtsein“. Mit viel Glück landete er wieder im Münsterland.

Schepper studierte nach dem Abitur 1947 mit Unterbrechungen in Hamburg, Dortmund und Münster die Fächer Germanistik, Pädagogik, Soziologie und Volkskunde, arbeitete 1951 und 1952 als Redakteur für die Glocke in Oelde und später als Lehrer in Ostbevern-Schirl, Seppenrade-Emkum, Lüdinghausen und Münster – bis zu seiner Frühpensionierung im Jahr 1978.

Er verlegte sich fortan auf eine rege publizistische Tätigkeit und verfasste unter dem Pseudonym „Jans Gliewenkieker“ Kolumnen über Land und Leute. Er gab Werke Wibbelts neu heraus, schrieb Heiteres und Humoristisches in niederdeutscher Sprache, gestaltete Vortragsabende und entwickelte sich zu einem gefragten Rezitator. Neben dem westfälisch-niederdeutschen Kulturkreis beschäftigte er sich in fortschreitenden Jahren auch zunehmend mit gesellschaftspolitischen Fragen und schrieb religionskritische Bücher.

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