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Ein Musiker zwischen zwei Welten

Samuel Brözel komponiert Klassik und produziert Hip-Hop

Münster

Vielfältig begabt: Samuel Brözel komponiert und spielt nicht nur neoklassische Klaviermusik, sondern produziert auch Hip-Hop-Beats. Und das aus Versehen sogar in Vietnam.

Anna Girke

Samuel Brözel wohnt seit 2013 Münster, wo er an der Musikhochschule seinen Abschluss in „Keyboards & Music Production“ gemacht hat. Kürzlich hat er ein Solopiano-Live-Release (Aufnahme vom Pianeo-Festival 2018 in der Petrikirche) herausgebracht. Foto: Florian Roy

Quadratische Schaumstoffplatten zur akustischen Isolierung hängen an der Wand, dem Klavier gegenüber steht ein Schreibtisch mit Launchpad und Plattenspieler. Samuel Brözels Zimmer spiegelt den Alltag des 26-jährigen Musikers wider – denn er komponiert nicht nur neoklassische Klaviermusik, sondern produziert auch Hip-Hop-Beats.

Das Leben in diesen zwei unterschiedlichen Musik-Welten ist für ihn kein Problem: Brözel erinnert sich an einen Auftritt in einem schweizerischen Kapuzinerkloster. Dort hatte er während seiner ersten Solo-Piano-Tour im Oktober ein Konzert gespielt. „Ein anderes Publikum erfordert eine andere innere Haltung”, sagt der Musiker. Gerade diese kleinen Hauskonzerte, wie er sie in der Schweiz, Deutschland und den Niederlanden gespielt hat, bauten eine besondere Verbindung zu den Zuhörern auf – für Samuel Brözel sind die Reaktionen der Zuhörer ein Feedback in Echtzeit.

Zufällig einen Flug nach China gewonnen

Unter seinem Künstlernamen „Der Kalavier” veröffentlicht er aber nicht nur neoklassische Klaviermusik, sondern arbeitet auch mit Rappern und Produzenten aus Münster, Berlin oder Vietnam zusammen. Zu dem asiatischen Land hat er eine besondere Verbindung, nachdem er es bereits im letzten Jahr besucht hat – wenn auch mehr aus zufälliger Fügung. „Bei der Neujahrsfeier der chinesischen Fachschaft hatte ich einen Hin- und Rückflug nach China gewonnen”, erinnert sich Brözel, der in Münster mit Klavierschülern aus China, Korea und Japan zusammenwohnt.

Sein Visum gewährte ihm die doppelte Einreise für je 30 Tage, und so besuchte der 26-Jährige das Nachbarland Vietnam in der Zwischenzeit. 2019 kehrte er noch einmal zurück: „Ich war mit den Leuten und der Musik dort noch nicht fertig”, erinnert er sich.

Konzert in der Tropfsteinhöhle

Denn im Vietnam gebe es eine starke Hip-Hop-Kultur mit vielen Rappern, aber wenigen Produzenten, wie Brözel erzählt. Er knüpfte dort neue Kontakte und besuchte alte Freunde. In Ho-Chi-Minh-Stadt spielte er auf dem Dach eines Hochhauses und gab ein Konzert in einer Tropfsteinhöhle. Aus Bruchstücken älterer vietnamesischer Funk-Lieder bastelte er neue Beats. So entstand in Hanoi die nach der Stadt benannte Single, die kürzlich erschien.

Wieder nach Deutschland zurückgekehrt, sammelt er jetzt Orte und Termine für seine zweite neoklassische Wohnzimmer-Tour, außerdem erschien kürzlich sein neues Tape „Automatik” – „eine Ode ans Unterwegssein”, sagt Brözel, der sich selbst als Musiker ohne Genre und Grenzen bezeichnet, in seinem Zimmer zwischen Klavier und Computer. Ein Wandler zwischen den Welten eben.

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