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Stadt animiert die Münsteraner

Sanfter Stupser für mehr Klimaschutz

Münster

CO2-Steuer, autofreie Zonen – die Debatte um klimafreundliches Verhalten ist geprägt von finanziellen Anreizen und Verboten. Doch klimafreundliches Verhalten kann auch auf anderen Wegen erreicht werden – einige davon will die Stadt nun beschreiten.

Joel Hunold

2017 haben die Stadtwerke die Standard-Voreinstellung für Neukunden auf „Ökostrom“ gestellt. Das Ziel: Mehr Ökostrom-Kunden gewinnen. Foto: Matthias Ahlke

Die Stadt Münster will sich auf ihren Weg zur Klimaneutralität eines verhaltenspsychologischen Ansatzes bedienen, mit dem sie die Münsteraner zu umweltfreundlichem Handeln bewegen oder „stupsen“ will. Beim sogenannten „Nudging“ (engl.: stupsen) werden „subtile, niederschwellige und (...) spielerische Anreize im Alltag von Personen gesetzt, damit sich diese klimafreundlicher verhalten“, heißt es von Seiten der Stadt. Im Gegensatz zu Steuer oder Autoverbotszonen kommen „Nudges“ ohne Sanktionen, finanzielle Anreize oder Verbote aus.

Die Stadtwerke Münster bedienen sich seit Mai 2017 eines „Nudges“. Damals haben die Stadtwerke die Standard-Einstellung für Strom- und Gastarife auf deren Internetseite auf Ökotarife umgestellt. „Die Idee dahinter war, die Leute zu Bewegen, mehr Ökostrom abzunehmen“, erläutert Stadtwerke-Sprecherin Lisa Schmees. Der Anteil an Ökostrom- und Gas-Kunden sei seitdem deutlich gewachsen, trotz des höheren Preises. Allerdings sagt Schmees, dass die Stadtwerke keine belastbaren Zahlen darüber haben, ob dies am Wechsel der Voreinstellung liegt oder an einem allgemein gestiegenen Umweltbewusstsein. Studien, auf die sich unter anderem der Wirtschaftsnobelpreisträger Richard Thaler in seinem Buch über „Nudges“ beruft, belegen jedoch, dass Menschen dazu tendieren, Standard-Einstellung beizubehalten.

Vergleich mit Nachbarn und Freunden motiviert

Auch die Fahrrad-Zählstellen, wie sie etwa in der Nähe des Ludgerikreisel an der Hammerstraße oder am Neutor stehen, können als „Nudge“ gesehen werden, da sie spielerisch, wie in einem Wettbewerb, jeden einzelnen Münsteraner dazu motivieren, die Zahl möglichst hoch zu halten. Zudem will die Stadt im Rahmen der Mitmachkampagne „Unser Klima 2030“ auf solche „Anstupser“ zurückgreifen und sich dabei besonders der sozialen Kompetente von „Nudges“ bedienen. Laut Thaler beziehen Menschen das Verhalten von Nachbarn und Freunden in ihre Entscheidungen mit ein. So haben Studien ergeben, dass Haushalte weniger Strom verbrauchen, wenn sie wissen, dass sie einen höheren Durchschnittsverbrauch als ihre Nachbarn haben.

Die Stadt will passend dazu die Begegnung von Eigentümern sanierter Häuser und Solaranlagenbesitzer mit Interessierten fördern und auch Baustellenbesichtigungen ermöglichen, um so „Begehrlichkeiten“ nach einem „Ich möchte das auch“ zu wecken.

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