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Nach Jahrhundertregen in Münster

Schäden erstaunen selbst Versicherer

Münster

Für die vielen Tausend Wohnungs- und Hausbesitzer in Münster, die beim Starkregen am 28. Juli 2014 immense Schäden verkraften mussten, wird es ein nur schwacher Trost sein: Ein Unwetter solchen Ausmaßes kommt statistisch gesehen nur alle 100 Jahre vor.

Karin Höller

Risikozonen für Überschwemmungen, die sich in erster Linie auf Fluss- und Uferbereiche beziehen, haben sich nach dem Jahrhundertregen kaum verändert, erklärt Stefan Richter (Foto), Vorstandsmitglied der Provinzial. Foto:

Es ist auch für die großen Versicherer in Münster ein Sonderfall: „Regenschäden im Millionenbereich an Gebäuden – wie wir sie reguliert haben – sind außergewöhnlich“, blickt Stefan Richter, Vorstandsmitglied bei der Westfälischen Provinzial Versicherung, zurück. Gleiches gelte für die Höhe der einzelnen Schäden von durchschnittlich 8000 Euro.

Bilder einer Katastrophe

Foto-Ausstellung zum Jahrhundertregen in Münster eröffnet

Bei der Provinzial gingen nach dem 28. Juli, als innerhalb von sieben Stunden bis zu 300 Liter pro Quadratmeter fielen, 10 000 Schadensmeldungen aus Münster und dem Kreis Steinfurt ein. Schadenssumme: 86 Millionen Euro. Der Hauptanteil (56 Millionen Euro) floss anschließend nach Münster.

Stefan Richter, Provinzial

Überstunden wurden auch beim LVM gefahren. Über 1500 Meldungen mit einer Gesamtschadenssumme von 12,7 Millionen Euro mussten bewältigt werden.

Trotzdem heißt es unisono bei den beiden großen Versicherern: Die Prämien für die Elementarschadensabsicherung in der Wohngebäude- und Hausratversicherung „werden nach dem Jahrhundertregen nicht erhöht“. Denn einmalige Ereignisse wie das Unwetter am 28. Juli „fließen nicht eins zu eins in eine neue Tarifgeneration ein“, erklärt Richter. Die basiere auf einem langjährigen Mittel.

Für viele Bürger war der 28. Juli ein ernstzunehmender Warnschuss. Es setzte ein Run auf Elementarschadens-Versicherungen ein. In Münster stieg die Absicherung dieser Schäden „in Hausrat- und Wohngebäudepolicen von 29 auf 42,7 Prozent“, hat der LVM regis­triert.

Ähnlich sieht es bei der Provinzial aus. Innerhalb eines Jahres stieg die Zahl der Elementarschadensabsicherungen in der Gebäudeversicherung um 36 Prozent, beim Hausrat sogar um 48 Prozent, erklärt Richter mit Blick in die Statistik.

Ein Großteil der Münsteraner, die am 28. Juli in ihrem Zuhause nasse Füße bekamen, hatten keine Elementarversicherung. Dabei sind die Beiträge überschaubar. Für Gebäude und Hausrat zusammen bewegen sich die Beträge für rund 150 Qua­dratmeter Wohnfläche zwischen 100 und 140 Euro.

Bei den Risikokarten für Überschwemmungen des Gesamtverbandes der deutschen Versicherungswirtschaft – kurz ZÜRS Geo – hat sich nach dem Jahrhundertregen allerdings kaum etwas verändert. Nach wie vor sind laut Richter „über 80 Prozent der Haushalte in Risikozone 1“, auf deren Grundlage sich die Versicherungsprämie berechnet. Unter einem Prozent der Gebäude liegen in der Hochrisikozone 4 in unmittelbarer Flussnähe.

Um Versicherte frühzeitig über Unwetter zu informieren, setzt die Provinzial seit Jahren auf ein Frühwarnsystem per E-Mail und SMS. Am Vorabend des 28. Juli 2014 warnte die Versicherung bereits vor „Starkregen, Hagel und Sturmböen“. Zu diesem Zeitpunkt ging man von 40 bis 70 Litern pro Quadratmeter aus. Das Problem, so Richter: „Die Regenintensität können Meteorologen bei solch lokal begrenzten Ereignissen nicht Stunden vorher berechnen.“

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