1. www.muensterschezeitung.de
  2. >
  3. Lokales
  4. >
  5. Muenster
  6. >
  7. „Schön, dass die Glocke zurückkehrt“

  8. >

Erinnerung an Rückführung vor elf Jahren

„Schön, dass die Glocke zurückkehrt“

Münster

Die eine Glocke wurde geraubt, die andere Glocke wurde beschlagnahmt – ein rein formaler Unterschied. Demnächst erklingt auch die zweite Glocke wieder in ihrer ursprünglichen Kirchengemeinde in Polen.

Lukas Speckmann

Bereits 2009 kehrte eine Glocke aus Münster ins polnische Grojec zurück: Sie wurde damals von Küster Stanislaw Figura geläutet, der schon den Abtransport 1941 miterlebt hatte.  Foto: Wawrzyniec Mizgalski

Eine historische Kirchenglocke aus Münster soll demnächst – wie berichtet – in die St.-Katharina-Kirche im polnischen Sławięcice zurückkehren. Das weckt Erinnerungen: Im Herbst 2009 gab es schon einmal eine solche Glocken-Heimkehr.

Eine Abordnung der Pfarrgemeinde Heilig Kreuz überbrachte damals eine kurz zuvor aus der Dreifaltigkeitskirche ausgebaute Glocke an die St.-Laurentius-Kirche in Grojec bei Auschwitz; die Wehrmacht hatte diese Glocke 1941 geraubt – wie viele Tausend weitere Glocken im besetzten Polen. Die Rückgabe sei kein Spaziergang, aber doch eine bereichernde Erfahrung gewesen, betonten die Mitglieder der münsterischen Delegation damals.

Aus Ehrenforst beschlagnahmt

Im Fall der Glocke aus Sławięcice liegen die Dinge anders. Das betont Engelbert Honkomp, der als Justiziar im Generalvikariat an der Rückgabe 2009 beteiligt war: Der Unterschied: Sławięcice hieß seinerzeit Ehrenforst, Kreis Cosel – war also eine deutsche Gemeinde, als die Glocke ihres für die Rüstungsproduktion wertvollen Metalls wegen einkassiert wurde.

„Entscheidend für die Rückgabe war, ob die Kirchengemeinde innerhalb der Grenzen des Deutschen Reiches von 1937 lag“, sagt Honkomp. Der Abtransport 1943 in Ehrenforst – als „Metallspende des deutschen Volkes“ deklariert – erfolgte aufgrund eines Reichsgesetzes, weshalb auch heutige Rechtssprechung darin eine rechtmäßige Beschlagnahmung sehe.

Dauerleihvertrag zwischen Bistum und Gemeinde

Die Glocke gehört demnach heute der Bundesrepublik – auch wenn sie jahrelang unbeachtet im Hof des münsterischen Kirchengerichts stand. Nachdem das Bundesinnenministerium zugestimmt habe, könne die 1555 gegossene Glocke zurückkehren: „Es gibt jetzt einen Dauerleihvertrag zwischen dem Bistum Münster und der Gemeinde in Sławięcice“, sagt Prof. Thomas Flammer, Leiter der Abteilung Kunst und Kultur im Generalvikariat.

Das technische Hilfswerk demontierte 2009 die Glocke aus der Dreifaltigkeitskirche am York-Ring: Kurz darauf wurde sie nach Grojec zurückgebracht. Foto: Claus Röttig

2009 ging es um den Versuch, schweres Unrecht wiedergutzumachen. Heute geht es nicht zuletzt darum, eine Kirchenglocke wieder dort erklingen zu lassen, wo sie am dringendsten gebraucht wird. „Schön, dass die Glocke wieder an ihren Ursprungsort zurückkehrt“, freut sich Thomas Flammer mit den polnischen Katholiken.

Startseite
ANZEIGE