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Podcast zur Jüdischen Geschichte in Deutschland

Schritt zur Selbstverständlichkeit

Münster

Blickt man auf jüdisches Leben in Deutschland, geht es fast immer auch um die Gräueltaten des Nationalsozialismus. Dabei währt die Geschichte der Juden in Deutschland bereits seit mindestens 1700 Jahren. Ein Podcast des LWL-Museums widmet sich der Geschichte und den Geschichten dieser Zeit.

Von Björn Meyer

Kunstvermittlerin Inès von Patow und Levi Israel Ufferfilge bei den Arbeiten zum Podcast. Das kleine Bild zeigt Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger und Museumsdirektor Hermann Arnhold vor der neuen Installation „Stolpersteine“ im LWL-Museum für Kunst und Kultur. Foto: LWL, Reiners/Meyer

Die ältesten schriftlichen Quellen jüdischen Lebens in Deutschland stammen aus dem Jahr 321. Damals war in Colonia Claudia Ara Agrippinensium, dem heutigen Köln, eine Brücke sanierungsbedürftig. Doch die Kassen der Stadt waren leer, ein Mann namens Isaac, ein Jude, bot sich an auszuhelfen. Doch es gab ein Problem, das die Oberen der Stadt auch Kaiser Konstantin wissen ließen. Isaac bedurfte eines Amtes im Stadtrat, um aushelfen zu können. Das aber war nach geltendem Recht untersagt – bis Konstantin im Dezember 321 auf das Bitten der Kölner per Dekret erließ, dass fortan Menschen jüdischen Glaubens in die Stadträte aufgenommen werden durften.

1700 Jahre später findet sich diese Anekdote in einem Podcast, den das LWL-Museum für Kunst und Kultur veröffentlicht hat und der sich in sechs aufwendig produzierten Folgen jüdischer Geschichte und Geschichten in Deutschland widmet. Kunstvermittlerin Inès von Patow und Levi Israel Ufferfilge, der zukünftiger Rabbiner Münsters, besuchten dafür Orte jüdischen Lebens in Münster und trafen auf jüdische Gäste und Experten.

Förderung durch LWL-Kulturstiftung

Anlässlich der – bewiesenen – 1700 Jahre jüdischen Lebens stellte die LWL-Kulturstiftung ursprünglich 500.000 Euro in Aussicht. Damit sollten Projekte gefördert werden, die in Bezug auf jüdisches Leben in Deutschland, das Verständnis füreinander, vor allem aber ein Miteinander stärken sollten.

Infos zum Podcast

Man sei von der Resonanz überwältigt worden, berichtet LWL-Kulturdezernentin Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger. Aus vielen Dutzend Anträgen wurden letztlich 24 Projekte ausgewählt, die Förderung auf 800.000 Euro angehoben. Der Podcast, der aufgrund seiner Erzählweise auch als Hörspiel bezeichnet werden kann, ist eines dieser Projekte. Er sei für das LWL-Museum der erste echte Kontakt mit Sharon Fehr gewesen, dem Vorsteher der Jüdischen Gemeinde in Münster, so Museumsdirektor Dr. Hermann Arnhold, der offenherzig einräumt: „Es wurde Zeit.“

Levi Israel Ufferfilge

Für das Museum sei von Anfang an klar gewesen, dass man einen Podcast über jüdisches Leben nicht mit gedämpfter Stimme machen wolle, sondern ausschließlich in Zusammenarbeit mit Menschen jüdischen Glaubens. Neben dem zukünftigen Rabbiner Münsters, der sich derzeit in seiner Ausbildung befindet, ist daher eine Vielzahl jüdischer Stimmen im Podcast zu hören. Neben einer, so Hofstedde, „klugen Einordnung“ Marina Weisbands zum Antisemitismus unter anderen auch etwa eine jüdische Familie beim Pessachfest.

Ufferfilge selbst wendet sich in einer der etwa halbstündigen Folgen mit ganz persönlichen Einschätzungen an die Zuhörer: „Wenn man als Jude sichtbar ist, muss man einstecken können“, sagt der Pädagoge und Autor eines Buches. Wie er das aushalte? Manchmal finde man keine Strategie, manchmal werde man einfach verletzt, so Ufferfilge.

Der Podcast

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