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Premiere im „Boulevard Münster“

Schwiegermutter und Liebes-Scharmützel

Münster

Alexander Olligs Komödie „Schwiegermutter und andere Bosheiten“ führt schon im Titel ihre Botschaft mit sich. Angelika Ober, Prinzipalin des „Boulevard Münster“, brilliert in der Premiere als Fabelwesen „Schwiegermutter“, die „frei Schnauze“ Gott und der Welt Paroli bietet.

Von Günter Moseler

Die Schwiegermutter hat stets das letzte Wort: Szene mit Erik Voß, Kathrin Enders, Angelika Ober, Eric Haug und Eva Schröer. Foto: Heyken

Das Leben als großes Drama kleiner Katastrophen: In diesem Universum spielt die Schwiegermutter die Rolle als Biest vom Dienst. Alexander Olligs Komödie „Schwiegermutter und andere Bosheiten“ führt schon im Titel ihre Botschaft mit sich. Angelika Ober, Prinzipalin des „Boulevard Münster“, brillierte in der Premiere als Fabelwesen „Schwiegermutter“, die „frei Schnauze“ Gott und der Welt Paroli bietet.

Auf der Bühne gab’s das reinste Spießerwohnzimmer inklusive Sofakissen mit Knick. Frank Sinatras „Love and Marriage“ trudelte leitmotivisch durch die Fassadendekoration. Und da saßen Bernhard (Meister der diskreten Gesten: Erik Voß) und Henrike (elegant: Kathrin Enders) am Frühstückstisch bei Routinemarotten: Der Kaffee: „Zu kalt!“, die Milch: „Zu warm!“ – und unentwegt plärrt das Telefon.

Man steht vor temporärer Trennung. Besuch von Freundin Claudine (im zuckersüßen „Backfisch“-Modus: Eva Schröer) mitsamt Lover Uwe (als Casanova: Eric Haug) erweist sich als wenig segensreich. Letzterer managt insgeheim ein atemloses Satyr-Dasein. Neben seiner Angebeteten hat er noch viele Affären laufen: mit der Frau des Hauses sowie diversen Liebschaften, die ihm süchtig hinterhertelefonieren, darunter die Tochter des Hauses, Eva. Aber auch Schwiegermama hing in ferner Vergangenheit schon an seinen Lippen.

In der Dramaturgie des Stücks flattern Paare wie im Taubenschlag ein und aus. Durch die Dialoge schimmert die Sehnsucht nach „High Society“ ebenso wie nach Geborgenheit. Bald türmen sich amouröse Unwahrscheinlichkeiten. Nur haarscharf siegt die Einsicht: So wäre das Leben, wenn alles klappt, obwohl vieles danebenging.

Die Liebe kehrt an ihren richtigen Ort zurück, Scharmützel verdunsten in Umarmungen. So ist es nicht. Aber das perfekte Tempo und Timing des Ensembles reanimierte die Utopie des Ideals. Begeisterter Beifall – etwas anderes war an diesem Abend unmöglich.

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