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Der Fotograf Berthold Socha ist im Alter von 81 Jahren gestorben

Seine Münster-Bilder bleiben für immer

Münster

Der münsterische Fotograf Berthold Socha ist am 18. September nach langer schwerer Krankheit im Alter von 81 Jahren gestorben. Mit seiner Leica zählte Socha gewissermaßen zum lebenden Inventar der Stadt Münster. „Ich suche nicht, ich finde“, sagte Socha einmal über die Auswahl seiner Motive. Ein Nachruf.

Von Johannes Loy

Der Fotograf Berthold Socha (1940-2021) hat der Stadt Münster mit seinen Schwarz-Weiß-Fotografien ein Denkmal gesetzt. Foto: Oliver Werner

Augenblicke und Momente festhalten: Wer wünscht sich das nicht? Der münsterische Fotograf Berthold Socha, der am 18. September im Alter von 81 Jahren nach langer schwerer Krankheit gestorben ist, verfügte über diese Fähigkeit – im übertragenen Sinne. Mit seiner Leica zählte Socha gewissermaßen zum lebenden Inventar der Stadt Münster. „Ich suche nicht, ich finde“, sagte Socha kurz vor seinem 75. Geburtstag im Interview mit unserer Zeitung.

Was er mit seinem Objektiv fand und zu brillanten Schwarz-Weiß-Bildern entwickelte und fixierte, das konnten zum Beispiel Besucher des Restaurants „Klemens“ am Stadthaus 1 in Münster in schöner Regelmäßigkeit bestaunen. Die Ausstellung mit dem griffigen Titel „Eine Wand Münster“ wurde regelmäßig mit Fundstücken und Motiven von Berthold Socha ergänzt. Socha sah, wenn er durch seine Stadt Münster streifte, nicht nur Architektur, Formen und Linien.

Wachsam das Leben in Münster festgehalten

„Ich sehe Installationen“, sagte er einmal mit hintergründigem Lächeln, und wer die Bilder im „Klemens“ oder in den über Jahre hinweg veröffentlichten Ausstellungskatalogen studiert, versteht, was Socha meinte. Das Auge des Fotografen sah Gegenstände und Ensembles, die ihn magisch anzogen. Das konnten Fahrräder auf Laub sein, die sich vor dem Erbdrostenhof gruppierten, Modepuppen im Schaufenster, die eine tief stehende Sonne anstrahlte, oder spontan vor die Linse geratene Menschen in Alltagssituationen.

Linien, Konturen, Licht und Schatten: Socha bannte sie auf Schwarz-Weiß-Filme, die ihm eine große Variationsbreite an Graustufen ermöglichten. Die Relikte des Industriezeitalters an der Peripherie des Münsterlandes hielt Berthold Socha ebenso fest wie die in Jahrzehnten wachsende Zahl der Skulpturen im öffentlichen Raum in Münster. Socha gehörte zu den wachsamen Zeitgenossen im Münsterland. Er war immer aufnahmebereit, und eine fotografische Leidenschaft trieb ihn durch Straßen und Gassen und in sein kleines häusliches Fotolabor.

Bilder-Schatz im Stadtmuseum

Der gebürtige Schlesier Berthold Socha erblickte 1940 in Ratibor das Licht der Welt und wuchs nach Flucht und Vertreibung bei Oldenburg auf. 1965 gehörte er zu den Mitbegründern der Fotogruppe „oculus“ in Münster, die sich zunächst aus Nachwuchskräften des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe zusammensetzte. Als Referent in der Kulturabteilung des Landschaftsverbandes hatte Socha seine Kamera stets dabei und verstand sich als „fotografierender Bediensteter“. Auf Initiative Sochas wurde die Friedrich-Hundt-Gesellschaft 1991 zur Erinnerung an den münsterischen Foto-Pionier gegründet. 17 Jahre lang war Socha ihr Vorsitzender. Viele Ausstellungen der Gesellschaft im Stadtmuseum schlossen die künstlerische Fotografie für eine große Öffentlichkeit auf.

Vor einem Jahr, im Oktober 2020, hatte Socha noch die Ausstellung „Auf Münster fixiert“ mit Fotografien aus der Westfalenmetropole von 1970 bis 2020 im Stadtmuseum eröffnet. Das Stadtmuseum Münster, dem sich Socha verbunden fühlte und dem er seinen wertvollen fotografischen Nachlass überantwortet hat, wird diesen Bilder-Schatz hüten und in die Zukunft tragen. Im stillen Gedenken und in dankbarer Erinnerung an Berthold Socha, den Fotografen aus Münster.

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