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Trauernetz beteiligt sich an „Worldwide Candle Lighting“

Sichtbares Gedenken

Münster

Wenn Eltern ihre Kinder begraben müssen, bleiben sie mit dem Gefühl unvorstellbarer Trauer zurück. Das Trauernetz Münster macht viele Angebote, diesen Schmerz zu lindern – im Dezember dabei ein ganz besonderes.

Von Björn Meyer

Vertreter des Trauernetz Münster laden am 12. Dezember zu einer besonderen Gedenkfeier für verstorbene Kinder jeden Alters in die Thomas-Morus-Kirche ein. Kerzen haben dabei eine ganz besondere Bedeutung. Foto: Björn Meyer

Der zweite Sonntag im Dezember ist der Weltgedenktag für alle verstorbenen Kinder. Die Idee geht auf eine amerikanische Initiative, die „Compassionate Friends“ – übersetzt also „mitfühlende Freunde“ –, zurück. Vor 25 Jahren setzte sie die Idee um, die mittlerweile weite Teile der Welt erobert hat. Auch das Trauernetz Münster beteiligt sich aktiv seit 2014 daran.

So soll am 12. Dezember im Foyer der Thomas-Morus-Kirche (Rumphorst) ab 15 Uhr eine Gedenkfeier stattfinden, zu der verwaiste Eltern, trauernde Geschwister und Freunde der Verstorbenen sowie alle Menschen, die an dieser Gedenkfeier teilnehmen möchten, eingeladen sind, wie das Trauernetz mitteilt. Teilnehmer sollen sich allerdings möglichst beim Haus der Familie im Vorfeld anmelden. Natürlich, um im Hinblick auf die Pandemie die notwendige Planungssicherheit zu haben. Aber auch, weil es auf der Gedenkfeier, die bewusst nicht als Gottesdienst gestaltet ist, um möglichst viele Menschen anzusprechen, ein besonderes Ritual geben wird. Dort nämlich sollen vom Trauernetz gestellte Kerzen entzündet werden, die die Trauernden dann mit nach Hause nehmen können. Am selben Abend sollen die Kerzen dann in den heimischen Fenstern leuchten und so – Perspektivwechsel – beim Blick auf den Erdball ein leuchtendes Band um die Welt zu ergeben.

Lebensmut wiederfinden, Solidarität zeigen

Das Erleben der Trauererfahrung in der Gruppe sei dabei wichtig, sagt Norbert Mucksch, Fachbereichsleiter für Sterbe- und Trauerbegleitung der Kolping-Bildungsstätte Coesfeld. Dabei sind laut Mucksch nicht nur akut Trauernde angesprochen – im Gegenteil: „Es ist beeindruckend zu sehen, wie Menschen, die schon häufiger an der Veranstaltung teilgenommen haben, wieder Lebensmut fassen“, so Mucksch – nicht zuletzt für die, die ihn erst wieder finden müssen. Zudem sei es ein Zeichen der Solidarität für diejenigen, deren Trauer noch frisch sei.

Sich trauen, zu trauern

Und noch eines ist wichtig: Auf der Gedenkfeier wird der Name jedes verstorbenen Kindes, den die Teilnehmer vor Beginn auf eine Karte schreiben können, laut vorgelesen. Dass, so sagen die Veranstalter, sei für viele Hinterbliebene sehr wichtig, denn der Name der Verstorbenen werde nur selten ausgesprochen. Ihn zu hören aber sei wichtig, um zu spüren, dass „das Kind ist“.

Über die Jahre ist die Resonanz auf die Veranstaltung stetig gewachsen. Einerseits, weil das Trauernetz Münster, zu dem sich zahlreiche Einrichtungen zusammengeschlossen haben, bekannter geworden sei. Aber auch, „weil die Menschen sich trauen, offener zu trauern“, so Achim Wasserfuhr, Leiter der Trauerarbeit am Johannes-Hospiz.

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