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Ausstellung „Jüdische Nachbarn“

Sie hatten Hoffnung und Träume

Münster

„Jüdische Nachbarn“ stehen im Rahmen einer Ausstellung, die aktuell in der Bürgerhalle der Bezirksregierung und im LWL-Landeshaus zu sehen ist. Zielgruppe sind vor allem Schüler.

Von Martin Kalitschke

Schüler vor einem Aufsteller, der an Henriette Rathgeber erinnert. Die Münsteranerin überlebte den Holocaust. Foto: kal

Nachdem die Nationalsozialisten die Macht übernommen hatten, versuchte die Münsteranerin Henriette Rathgeber, ihre Heimat in Richtung USA zu verlassen. Sie hatte bereits ein Visum, doch die Auswanderung scheiterte. Der Deportation in ein KZ entkam sie sowohl am 13. Dezember 1941 als auch am 27. Januar 1942. Sie überlebte im Rheinland im Untergrund, wanderte 1948 in die USA aus, kehrte schon ein Jahr später nach Münster zurück, wo sie 2001 starb.

Der Lebenslauf von Henriette Rathgeber ist eine von 19 Biografien, die im Mittelpunkt der Ausstellung „Jüdische Nachbarn“ stehen. Sie ist ab sofort in den Bürgerhallen von Bezirksregierung und LWL-Landeshaus zu sehen und will den Blick auf das Leben von Jüdinnen und Juden zu Beginn des 20. Jahrhunderts lenken. Am Donnerstag wurde die Ausstellung, die sich vor allem an Schüler richtet, eröffnet.

Material steht Schulen zur Verfügung

19 Aufsteller zeigen Fotos aus dem Leben der Porträtierten, ein paar Meter weiter liegen Informationen zu ihrer Biografie auf einem Tisch. Es gehe nicht darum, Opfer zu zeigen – sondern Menschen, die Träume, Angst und Hoffnung hatten, so Regierungspräsidentin Dorothee Feller. So sollen vor allem Schüler einen Zugang zum Thema erhalten. Der Titel appelliere „an uns alle, nach links und rechts zu schauen und auf unsere Nachbarn zuzugehen, Klischees und Vorurteile außen vor zu lassen und stattdessen den Menschen als solchen wahrzunehmen“, so Feller.

Die Ausstellung und das zugehörige didaktische Material stehen Schulen in ganz Nordrhein-Westfalen seit Jahresbeginn zur Verfügung. Zwölf Schulen haben es laut Bezirksregierung bereits eingesetzt, mehr als 30 weitere Buchungen liegen vor. Die Ausstellungsmacher orientieren sich an dem von der israelischen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem entwickelten Konzept, jüdisches Leben „vor, während und nach der Shoah“ darzustellen.

Die Ausstellung ist für die Verwendung im Unterricht konzipiert. Darüber hinaus können mit dem Material auch Workshops und Projekte durchgeführt sowie Gedenkstättenfahrten vorbereitet werden.

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