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Missbrauchsskandal

SPD-Fraktion schickt Fragenkatalog an Reul

Düsseldorf / Münster

Der in Münster aufgedeckte Missbrauchsfall erreicht auch die politische Ebene. Die SPD-Landtagsfraktion will von Innenminister Herbert Reul (CDU) wissen, ob Polizei, Staatsanwaltschaft und Jugendamt alles getan haben, um die betroffenen Kinder vor weiterem Missbrauch zu schützen. 

Hilmar Riemenschneider

Zwei Polizeiautos stehen in der Einfahrt zu einer Kleingartenkolonie. Eine Laube in der Kolonie ist einer der Tatorte des vermutlichen Haupttäters in einem Missbrauchsfall, in der die Ermittler unter anderem Festplatten und Videokameras fanden. Foto: dpa

Einen langen Fragenkatalog hat die SPD-Fraktion für den Innenausschuss des Landtags kommende Woche vorbereitet. Die zentrale Frage sei, ob der heute zehnjährige Sohn der Lebensgefährtin des Hauptverdächtigen Adrian V. zu spät in Obhut genommen wurde, sagte der SPD-Innenpolitiker Andreas Bialas am Mittwoch in Düsseldorf.

Er erinnerte, Aufgabe der Polizei sei neben der Beweissicherung insbesondere die Gefahrenabwehr in Bezug auf die Missbrauchsopfer. Es sei aber unverständlich, warum es nach dem im April 2019 konkretisierten Verdacht ein Jahr dauerte, bis der Junge aus dem Missbrauch befreit worden sei. „Der Unmut ist groß“, sagte Bialas.

Gerade weil der Haupttatverdächtige zweimal einschlägig zur maximalen Bewährungsstrafe verurteilt worden war, hätte der Schutz des Kindes im Zentrum stehen müssen. Bialas monierte: „Es kommt zu kurz, dass der kinderzentrierte Blick eine Rolle spielt.“

Frage nach Warnhinweis 

Zu klären sei überdies, ob das Jugendamt den Fall nach 2017 aus den Augen verloren habe, ergänzte sein Fraktionskollege Hartmut Ganzke. Es gebe nur Hinweise, dass das Schicksal des Jungen bis maximal 2017 Gesprächsthema in einer Clearingstelle gewesen sei. Für die SPD steht ohnehin in Frage, ob die Ermittler das Jugendamt angemessen eingebunden haben. So hätte die Staatsanwaltschaft der münsterischen Behörde einen Warnhinweis geben müssen, dass auch gegen die als Erzieherin Mutter von Adrian V. ermittelt werde.

Dass der Untersuchungsausschuss Kindesmissbrauch des Landtags auch den Fall aus Münster aufgreift, hielt Bialas zunächst für wenig wahrscheinlich. Schon jetzt sei das Themenfeld so breit, dass die Zeit bis zur Landtagswahl 2022 kaum reiche. Wenn sich aber wichtige Anhaltspunkte für Verbesserungen ergäben, müsse der Ausschuss sich drum kümmern.

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