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Missbrauchsfall von Münster

Spurensuche bis ins Kleinste: THW demontiert Gartenlaube

Münster

Den massiven Tatvorwürfen im Missbrauchsfall von Kinderhaus will die Polizei Münster mit möglichst genauer Ermittlungsarbeit begegnen. Aus diesem Grund ist am Samstag die Kleingarten-Parzelle der Mutter des Hauptbeschuldigten dem Erdboden gleichgemacht worden.

Björn Meyer

Ein Bagger des Technischen Hilfswerks trug Stück für Stück der Gartenlaube ab. Foto: Oliver Werner

Vögel zwitschern, während auf einigen Parzellen der Kleingartenanlage „Am Bergbusch“ in Kinderhaus bereits am frühen Samstagmorgen die Beete fein säuberlich geharkt werden. Doch die große Gruppe Männer und Frauen, die zeitgleich mit Schaufeln, Spitzhacken, Stemmeisen und nicht zuletzt auch schwerem Gerät auf Parzelle 30 anrückt, hat anderes im Sinn als gewöhnliche Gartenarbeit.

Mit Hilfe des THW sucht die Polizei an diesem Tag auf dem Gelände, auf dem sich nach aktuellem Erkenntnisstand der sexuelle Missbrauch von Kindern zugetragen hat, noch einmal nach Beweismitteln. Elf Festnahmen hat es im Zuge der Ermittlungen bereits gegeben, sieben Personen, darunter der mutmaßliche Haupttäter, ein 27-jähriger Münsteraner, sitzen in Untersuchungshaft.

„Wir wollen einfach sichergehen, dass wir keine Beweismittel übersehen haben“, sagt Polizeisprecher Andreas Bode an diesem Morgen vor der Gartenlaube der Mutter des verhafteten 27-jährigen IT-Fachmanns. Für diese Sicherheit machen die rund 30 ehrenamtlichen Mitarbeiter des THW die Parzelle wortwörtlich dem Erdboden gleich. Beete werden um- und Pflanzen ausgegraben. Kubikmeterweise Erde und Steine werden ebenso abtransportiert wie schließlich die Überreste der Gartenlaube, denn auch die wird, so akkurat es eben möglich ist, zurückgebaut.

Man habe intern darüber gesprochen, warum man hier sei, doch während der Arbeit versuche man, dies auszublenden, sagt Bastian Solke, Ortsbeauftragter des münsterischen THW mit Blick auf die unfassbaren Vorwürfe. Anderenfalls sei die Gefahr zu groß, dass die technische Arbeit leide. Und die ist anspruchsvoll, denn um mögliche Beweismittel nicht zu beschädigen, wird auch der Rückbau der Gartenlaube von Hand erledigt. Die warmen Temperaturen bringen die Helfer ins Schwitzen, Sorge bereitet den THW-Kräften aber eher ein mögliches Unwetter. Bei Hagel und Gewitter müsse man eine Pause einlegen, bei Regen arbeite man weiter, legen sie am frühen Morgen fest.

Es gehe darum zu schauen, ob es noch versteckte Beweismittel gebe, etwa in irgendwelchen Hohlräumen, erklärt ein Mitarbeiter der Spurensicherung vor Ort und fügt an: „Lügde darf sich nicht wiederholen.“ Die polizeiliche Ermittlungsarbeit zu den Missbrauchsfällen in der nordrhein-westfälischen Stadt Lügde war in den öffentlichen Fokus geraten, weil unter anderem Beweismittel verschwanden. NRW-Innenminister Herbert Reul sprach seinerzeit von einem Polizeiversagen.

Ein Mitarbeiter der Spurensicherung

Hinweis: Wer selbst Opfer von sexuellem Missbrauch geworden ist oder jemanden kennt, der Hilfe braucht, kann sich an das Hilfetelefon sexueller Missbrauch wenden: 0800 22 555 30 (kostenlos und anonym). Dabei handelt es sich um eine Anlaufstelle für Menschen, die Entlastung, Beratung und Unterstützung suchen, die sich um ein Kind sorgen, die einen Verdacht oder ein „komisches Gefühl“ haben, die unsicher sind und Fragen zum Thema stellen möchten.

Du bist ein Kind und dich bedrückt etwas? Wenn du niemanden findest, der oder die dir helfen könnte, oder wenn es dir lieber ist, mit einer Person zu sprechen, die du nicht so gut kennst: Dann rufe an bei der „Nummer gegen Kummer“: 116111 (kostenlos und anonym). Wenn du lieber schreibst als redest: Per Mail oder Chat findest du dort jemanden, der sich um deine Probleme kümmert.

In Münster bietet zudem die Beratungsstelle Zartbitter (0251-4140555) Hilfe für Jugendliche ab 14 Jahren an. Zudem werden dort Angehörige und Bezugspersonen von Betroffenen sowie Fachkräfte beraten. Jüngere Kinder können beim Kinderschutzbund anrufen (0251-47180).

Doch auch jeder andere kann etwas tun! Mit der Kampagne „Missbrauch verhindern!“ stärkt die Polizei Erwachsene, damit sie Kinder schützen können. In fünf Schritten - Wissen, Offenheit, Aufmerksamkeit, Vertrauen, Handeln - bekommt man das Rüstzeug, um Anzeichen für Missbrauch zu erkennen und die richtigen Konsequenzen daraus zu ziehen.

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