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Dieter Overhageböck hat das 200 Jahre alte Urkataster lesbar gemacht

St. Mauritz unter die Lupe nehmen

Münster

Alte Karten machen Spaß. Erst recht, wenn sie das Gebiet betreffen, in dem man selbst wohnt. In diesem Band wird das St. Mauritzer Urkataster von 1830 entschlüsselt.

Von Lukas Speckmann

228 Seiten, drei Kilogramm, zwei herausnehmbare Karten in Tischgröße als Extra: Autor Dieter Overhageböck (M.) sowie Anja Gussek und Dr. Peter Worm vom Stadtarchiv halten ein gewichtiges Buch über die Gemeinde St. Mauritz in den Händen. Foto: Oliver Werner

Die schlimmste Arbeit leisteten netterweise schon die preußischen Kollegen vor knapp 200 Jahren – Dieter Overhageböck ist ihnen bis heute dankbar. Die Geodäten des Königs vermaßen damals in Windeseile ganz Westfalen – in einer Qualität, von der sich heutige Fachleute mehrere Scheiben abschneiden könnten.

Sie mussten dafür auch mancherlei Unbill erdulden. Denn die Grundbesitzer waren keineswegs begeistert vom Amtshandeln auf ihren Äckern. Mit der Mistgabel rückten manche den Vermessern zu Leibe, sodass bisweilen der Gendarm mit aufgepflanztem Seitengewehr der Obrigkeit Respekt verschaffen musste . . .

Da hatte es Dieter Overhage­böck leichter. Denn das historische Kartenmaterial stand dem renommierten Kartographen ohne weiteres zur Verfügung, Katasteramt und Stadtarchiv ließen ihn gerne gewähren. Sogar fehlende Karten konnte er auftreiben: im Staatsarchiv, das hierzulande bis 1948 fürs ehedem staatliche Katasterwesen zuständig war.

Östlich der Aa und westlich der Werse

Die alten Karten wurden von Overhageböck am Computer eingelesen, akribisch neu gezeichnet, beschriftet und mit der Grundkarte von 2013 abgeglichen. So entstand in nur zwei Jahren ein prachtvoller Band, dessen etwas förmlicher Titel „Das Urkataster der Gemeinde St. Mauritz 1826-1830“ nicht sofort erkennen lässt, wie spannend der Inhalt ist.

Wer im ehemaligen St. Mauritz – grob gesagt: nördlich der Wolbecker Straße, westlich der Werse, südlich von Gittrup und östlich der Aa – wohnt oder über Grundbesitz verfügt, kann mit diesem Buch bis ins Detail nachverfolgen, was sich in den vergangenen 200 Jahren geändert hat.

Zum Beispiel, wo die Grenzen lagen, wo die Gewässer ursprünglich verliefen, wem wie viel gehörte und wie wertvoll der Ertrag des Landes war. Denn das Kataster wurde ja ursprünglich zur Ermittlung der Steuern angefertigt. Deshalb auch die Mistgabeln.

Münsters Urkataster bald vollendet

Der Band wurde jetzt im Aschendorff-Verlag veröffentlicht. Mit dieser herausragenden Qualitätsarbeit ist Overhageböck seinem Ziel, das Urkataster der inneren Stadt Münster abzubilden, ein gutes Stück nähergekommen. Die Innenstadt und Nienberge liegen vor. Es fehlen noch Überwasser und Lamberti, dann wäre der Ring um die Stadt geschlossen.

Das Urkataster der Gemeinde St. Mauritz 1826-1830. Grundeigentümer in Karten und Tabellen. Bearbeitet von Dieter Overhageböck. Quellen und Forschungen zur Geschichte der Stadt Münster, 28. Band, Aschendorff-Verlag, 78 Euro.

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