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Streitgespräch auf dem Kirchhof

St. Stephanus: Kritiker treffen auf den Bischof

Münster

Vordergründig hatte es am Samstag in St. Stephanus „nur“ um die Spendung des Firmsakraments gehen sollen. Doch nach der Ankündigung, dass Bischof Felix Genn persönlich die Feier übernehmen würde, war zu erwarten, dass Gemeindemitglieder, die gegen die Versetzung von Pfarrer Thomas Laufmöller protestiert hatten, den Bischof zur Rede stellen würden. Und genau so konfrontativ wurde die Begegnung dann auch.

Von Klaus Möllers

Im Innenhof der Kirche trafen Mitglieder der Gemeinde und Bischof Dr. Felix Genn aufeinander. Seine Kritiker hatten auf einem Transparent unter anderem geschrieben: „Bischof Genn, wo waren Sie, als wir sie brauchten? Warum kommen Sie erst jetzt?“ Foto: klm

Mit einem gewissen Unverständnis füreinander verlief am Samstag eine Begegnung von Mitgliedern der Gemeinde St. Stephanus und Bischof Dr. Felix Genn. Der Bischof feierte am frühen Abend am Pfarrort in der Aaseestadt die Messe für 28 Firmlinge. Mitglieder der Gruppe „Stephanus 2.0“, die nicht die ganze, aber einen Teil der Gemeinde repräsentieren, waren erschienen, um Genn gewissermaßen zur Rede zu stellen.

Anlass war der nach wie vor vorhandene Frust darüber, dass der frühere Pfarrer Thomas Laufmöller nach 17 Jahren aus der Gemeinde versetzt worden war. Man fühle sich übergangen, hieß es. Abseits der Firm-Feierlichkeiten, auf dem Parkplatz, warteten etwa 50 Kritiker, um nach der Messe am Dienstwagen mit dem Bischof ins Gespräch zu kommen. So war es mit der Gemeindeleitung vereinbart. Doch als sich abzeichnete, dass der Bischof-Besuch etwas länger dauern würde, gingen sie zum Pfarrhaus, um auf sich aufmerksam zu machen. Genn kam schließlich heraus und trat der Gruppe gegenüber.

Bischof schlägt scharfe Kritik entgegen

„Es ist alles gesagt. Ich sage nichts mehr“, erklärte Genn, als ihm sofort scharfe Kritik an dem Umgang des Bistums mit Pfarrer Laufmöller und der Gemeinde entgegengebracht wurde. „Warum sprechen Sie nicht mit uns?“, hieß es aus der Gruppe heraus. Und: „Sie waren hier? Ich habe Sie hier nie gesehen.“ Eine Frau kritisierte, dass St. Stephanus nun der Pfarrer fehle. „Er war da, als mein Sohn gestorben ist und wir ihn beerdigen mussten. Er war immer da, für die Seelsorge.“

Wohl angesichts des konfrontativen Tons und der Vorwürfe in den kurzen Reden war Genn eine gewisse Anspannung anzumerken. „Sie haben Strukturen zerstört. Herr Laufmöller musste innerhalb von zwei Wochen seine Wohnung verlassen. Wissen Sie, wie herzlos Sie mit ihm umgegangen sind?“, hieß es weiter. Der Bischof bewahrte erst noch Fassung, antwortete ruhig und ernst, dabei auch förmlich: „Weisen Sie mir mein Unrecht nach. Ich habe nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt.“

Vorwurf der Lüge

Als die Vorwürfe noch schwerer wurden, schienen beim Bischof allmählich Geduld und Bereitschaft zum Dialog aufgebraucht. Vorgeworfen wurde ihm, dass das Bistum Kritiker aus St. Stephanus „öffentlich diffamiert“ und die Verwaltung „Lügen verbreitet“ habe. Etwa indem öffentlich behauptet worden sei, Thomas Laufmöller würde nicht gegen seinen Willen versetzt. Genn: „Ich brauche mich da nicht verteidigen. Es gibt keine Lügen. Ich habe alles mit Herrn Laufmöller besprochen.“

Der Vorwurf, Bischof Genn habe sich bei seiner Entscheidung von „Personen von außerhalb der Gemeinde“ und womöglich „von Freunden“ leiten lassen, führte schließlich dazu, dass der Bischof das Gespräch abbrach. Und dabei laut wurde. Er entgegnete: „Nein! Nein! Nein!“ Und ging.

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