Prozess wegen versuchten Raubes

Staatsanwalt fordert zwei Jahre Haft

Münster

Zwei Jahre Haft und Unterbringung in der Entzugsklinik: Das fordert die Staatsanwaltschaft für einen 31-jährigen Münsteraner, der sich wegen versuchten schweren Raubes vor Gericht verantworten muss. Der zweite Verhandlungstag hielt eine Überraschung parat.

Julia Körtke

Vor dem Landgericht Münster muss sich seit dem 7. Mai ein 31-jähriger Münsteraner wegen versuchten schweren Raubes verantworten. Foto: Volker Hartmann

Es sollte ein Denkzettel werden. Für den Nachbarn, der ihn mit dem Auto fast vom Rad geholt haben soll. Mit einem Messer bewaffnet wollte ein 31-jähriger Münsteraner seinem 83-jährigen Nachbarn angeblich nur die Buchsbäume zerstören. Doch an der Version des Angeklagten gibt es Zweifel. Die Anklage wirft ihm jedenfalls vor, versucht zu haben, den Senior auszurauben.

Vor der 22. Großen Strafkammer des Landgerichts Münster ging die Verhandlung nun in den zweiten Prozesstag – und dieser begann mit einer Überraschung: Der Angeklagte kam nicht wie noch zum Prozessauftakt von zu Hause zum Landgericht, sondern wurde aus der JVA gebracht. Seit dem 11. Mai sitzt der Münsteraner in Haft. Nicht wegen des mutmaßlichen versuchten Raubes, sondern weil er beim Einbruch in ein geparktes Auto erwischt wurde. Der neue Vorwurf darf zwar im aktuellen Prozess keine Beachtung finden, wirft dennoch kein gutes Licht auf den Angeklagten.

Gutachter: Dissoziale Persönlichkeitsstörung

Der 31-Jährige blieb dennoch bei seiner Aussage, dass das Ganze eine aus dem Ruder gelaufene Denkzettelaktion war. Zum neuen Haftbefehl wollte er sich nicht äußern. Ein psychiatrischer Gutachter bescheinigte dem Angeklagten eine dissoziale Persönlichkeitsstörung, die durch den ausschweifenden Drogenkonsum vom Angeklagten versucht worden sei, in Eigenregie zu therapieren.

Die Staatsanwaltschaft plädierte deswegen auf eine Unterbringung in einer Entziehungsanstalt, zudem auf eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren wegen gefährlicher Körperverletzung – der 83-Jährige hatte sich beim Versuch, das Messer des Angreifers abzuwehren, an der Hand verletzt. Dem Angeklagten könnte zwar keine Raub-Absicht nachgewiesen werden, doch die Verletzung des Opfers und die Tatwaffe seien nicht von der Hand zu weisen.

Urteil noch im Mai erwartet

Der Verteidiger schloss sich dem teilweise an, sah jedoch in der Art und Weise einen minder schweren Fall der gefährlichen Körperverletzung und plädierte deswegen nur auf bis zu sechs Monate Freiheitsstrafe. Eine Unterbringung in einer Entzugsanstalt lehnte er ab.

Das Urteil soll am 26. Mai fallen.

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