Vorwurf gegen 39-Jährigen aus Münster

Steuerhinterziehung im großen Stil

Münster

Ein 39-Jähriger soll Sozialversicherungsbeiträge in Millionen-Höhe, Lohnsteuer und Einkommenssteuer hinterzogen haben. Seit Montag muss sich der Mann vor dem Landgericht verantworten.

Martin Kalitschke

Vor dem Landgericht hat der Prozess gegen einen 39-Jährigen begonnen, dem unter anderem Steuerhinterziehung vorgeworfen wird. Foto: dpa/Friso Gentsch

Steuerhinterziehung im großen Stil wirft die Staatsanwaltschaft einem 39-Jährigen aus Münster vor. Zwischen 2015 und 2020 soll der Geschäftsführer eines in Roxel ansässigen Sanitär- und Gebäudereinigungsunternehmens Sozialversicherungsbeiträge in Höhe von rund 2,5 Millionen Euro, Lohnsteuer in Höhe von rund 620 000 Euro sowie 38 000 Euro Einkommensteuer veruntreut haben.

Seit Montag muss sich der 39-Jährige, der die deutsche und die bulgarische Staatsangehörigkeit besitzt, vor dem Landgericht verantworten. Er sei traurig, dass er seit sechs Monaten seine Kinder nicht gesehen habe, gibt er zu Protokoll – so lange befindet er sich bereits in Untersuchungshaft. Die Hauptverhandlung war kurzfristig angesetzt worden, am Montag wird nur die Anklage verlesen, zudem äußert sich der Angeklagte zu seiner Biografie.

Staatsanwaltschaft spricht von 355 Taten

355 Taten hält die Staatsanwaltschaft dem Mann vor. In Bulgarien soll er über Facebook mehr als 100 Reinigungskräfte für sein Unternehmen angeworben haben. Das Versprechen: 25 Zehn-Stunden-Arbeitstage pro Monat bei einem Tageslohn von 40 Euro. In Unternehmen und Einkaufszentren in ganz Deutschland soll der Geschäftsmann Sanitäranlagen angemietet haben, die dann durch Mitarbeiter seines Unternehmens gereinigt wurden. Nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft setzten sich die Umsätze fast ausschließlich aus dem sogenannten Tellergeld – Münzgeld, das Kunden am Ausgang auf einen Teller legen – zusammen. Neben dem offiziellen Lohn sollen die Mitarbeiter aus den Tageseinnahmen erhebliche Lohnanteile „schwarz“ erhalten haben. So sollen die Lohnkosten erheblich gedrückt worden sein.

Zwischenzeitlich nach Bulgarien ausgeliefert

Nach Verlesung der Anklageschrift berichtete der Angeklagte aus seiner Biografie. Anfang der 2000er-Jahre kam er nach Münster, um VWL zu studieren – ohne Erfolg. Zwischenzeitlich sei er im Zusammenhang mit einem Tötungsdelikt nach Bulgarien ausgeliefert, aber kurz darauf freigesprochen worden, woraufhin er nach Münster zurückkehrte. Zu den Vorwürfen will er sich am nächsten Verhandlungstag (31. Mai) äußern.

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