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Diskussion über Umbenennung von Straßennamen

Wird die Admiral-Scheer-Straße zur Walter-Lübcke-Straße?

Münster

Die Diskussion über die Umbenennung von Straßen geht weiter. In der Bezirksvertretung Mitte hat die CDU vorgeschlagen, die Admiral-Scheer-Straße künftig nach Walter Lübcke zu benennen. Vertreter der Rathauskoalition haben zu den Vorschlägen Stellung bezogen.

Die Andreas-Hofer-Straße soll nach dem Willen von Grünen, SPD und Volt umbenannt werden. Hofer (1767 bis 1810) gilt in Tirol als Freiheitskämpfer und Volksheld. Foto: Oliver Werner

Auf Admiral-Scheer- und Ostmarkstraße können sich alle einigen. Grüne, SPD, Volt, CDU und FDP fordern gemeinsam deren Umbenennung – und die CDU machte am Dienstagabend in der Bezirksvertretung Mitte auch gleich einen Vorschlag, wie die Admiral-Scheer-Straße (Scheer hatte als Weltkriegsgeneral unter anderem Todesurteile gegen Matrosen gebilligt) künftig heißen könnte: Walter-Lübcke-Straße. Der Kasseler Regierungspräsident war 2019 von einem Rechtsextremisten ermordet worden. „Eine Walter-Lübcke-Straße wäre ein starkes Symbol“, ist Carsten Fuest, CDU-Fraktionschef in der Bezirksvertretung (BV) Mitte, überzeugt.

Weniger überzeugt sind CDU und FDP von der von Grünen, SPD und Volt geforderten Umbenennung acht weiterer Straßen – darunter die Andreas-Hofer-Straße (Hofer gilt bis heute in Tirol als Freiheitskämpfer) und die Prinz-Eugen-Straße (Eugen schlug mit seinen Truppen 1683 die Türken vor Wien zurück). Für die Vereinnahmung und ideologische Aufladung während der Zeit des Nationalsozialismus könnten die betroffenen Personen und Orte nichts, so die CDU-Fraktion. „So lange die untersuchten Personen und Ortsbezeichnungen nicht aus sich selbst heraus für nationalsozialistische, antisemitische oder militaristische Inhalte stehen, ist eine Umbenennung nicht verhältnismäßig“, sagt Hans-Christoph Vogelberg (CDU). „Wenn dies Schule macht, müssten wir bei jeder Vereinnahmung durch Rechtsextreme eine neue Umbenennungsdiskussion führen.“

Weitere Straßen sollen umbenannt werden

Nach Einschätzung von Grünen, SPD und Volt sollten nicht nur die Andreas-Hofer- und die Prinz-Eugen-Straße, sondern auch die Admiral-Spee-, die Otto-Weddigen-, die Skaggerak-, die Tannenberg-, die Langemarck- und die Manfred-von-Richthofen-Straße ihren Namen verlieren. Ein Historiker hatte sämtliche in der NS-Zeit in Münster vergebenen Straßennamen untersucht. Die nun erfolgte Auswahl habe ein Jahr in Anspruch genommen, so Kai Meyer vor dem Esche (Grüne): „Wir haben uns das nicht leicht gemacht.“

Laura Maxellon (SPD) verweist darauf, dass die fragwürdigen Namen während der NS-Zeit von Menschen ausgewählt wurden, „die von der NS-Ideologie getrieben waren“. Die Auswahl sei damals nicht zufällig erfolgt – sondern ganz bewusst.

Mit Straßennamen würden Persönlichkeiten geehrt, so Martin Grewer (Volt). Bei den Namensgebern jener Straßen, die nun umbenannt werden sollen, sei eine solche Ehrung jedoch nicht angebracht. Sowohl Meyer vor dem Esche als auch Maxellon und Grewer stellen klar, dass sie eine Umbenennung auf keinen Fall als „Geschichtslöschung“ verstanden wissen wollen.

Allen Parteien geht es ausdrücklich darum, die Bürger im weiteren Prozess zu beteiligen. Bei der Auswahl neuer Namen setzen Grüne, SPD und Volt auf parteiübergreifende Zustimmung in den zuständigen Gremien. Weitere Umbenennungen seien zunächst nicht geplant, so Maxellon. In einem weiteren Schritt sollen nicht nur Straßennamen aus der NS-Zeit, sondern sämtliche Namen in Münster auf den Prüfstand kommen. Bis hier Ergebnisse vorliegen, könnten aber Jahre vergehen.

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