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Streik legt Kitas in Münster lahm

Münster

Erzieher und Sozialarbeiter haben am Mittwochmorgen in Münster für die Aufwertung ihrer Berufe demonstriert. Aufgrund des Streiks kam es auch zu kurzfristigen Straßensperrungen, mehrere Kitas waren geschlossen.

Von Jonas Wiening

Rund 300 Erzieher und Sozialarbeiter gingen am Mittwochmorgen, im Rahmen des bundesweiten Streiktags, in Münster auf die Straße und demonstrierten für die Aufwertung ihrer Berufe. Foto: Jonas Wiening

Rund 300 Erzieher und Sozialarbeiter sind am Mittwochmorgen durch Münsters Straßen gezogen und haben im Rahmen eines bundesweiten Streik- und Aktionstages für bessere Bedingungen in ihren Berufen demonstriert. Die Streikenden sorgten damit nicht nur für kurzzeitige Straßensperrungen, sondern auch für die Schließung von drei Kitas und weiteren Notbetreuungen in der Stadt.

„Die Eltern haben in der Corona-Zeit schon viel mitgemacht, da können sie sich auch noch einen Tag um die Betreuung der Kinder kümmern, wenn wir für bessere Bedingungen kämpfen, die auch den Kindern und Eltern zugute kommen würden“, sagte Iris Werning bei der abschließenden Kundgebung am Stadthaus 1. Die Erzieherin, die auch in der Verhandlungskommission bei Verdi ist, berichtete von den aktuellen Verhandlungen zu den Sozial- und Erzieherberufen: „Von Seiten der Arbeitgeber besteht keine Bereitschaft, ernsthaft mit uns ins Gespräch zu kommen. Wir werden nicht ernst genommen. Das können wir uns nicht mehr gefallen lassen. Wir müssen jetzt Dampf machen.“ Bernd Feldhaus, Gewerkschaftssekretär von Verdi Münsterland fügte hinzu: „Die Arbeitgeber verhalten sich asozial. Es darf nicht so weiterlaufen wie bisher.“

Erzieherin beklagt "Low-Budget-Politik"

Iris Werning sagte, dass die frühkindliche Bildung zu kurz komme: „Wir sind nicht genügend Männer und Frauen.“ Überall gäbe es Sonderzahlungen und Extra-Geld. „Aber wo bitte sind die Sondervermögen für die Bildung und die Sozialarbeit“, fragte die Erzieherin und sagte, dass die „Low-Budget-Politik“ zu einer Deklassifizierung in den Berufen führen würde.

Hoffnung mache ihr aber die steigende Unterstützung der Eltern. Denn dem Demonstrationszug am Mittwochmorgen, der vom Schlossplatz über den Ludgerikreisel bis zum Stadthaus verlief und von der Polizei begleitet wurde, schlossen sich auch Eltern an. Constanze Krummen, Mutter von fünf Kindern, signalisierte bei der Abschlusskundgebung ihre Unterstützung für die Forderungen der Erzieher: „Es ist deprimierend, dass die Arbeit immer noch nicht wertgeschätzt wird.“ Arbeitskämpfe würden immer zu Lasten der Kinder und Eltern gehen, deswegen müsse die Politik endlich handeln.

Offener Brief an Oberbürgermeister Markus Lewe

Constanze Krummen übergab im Anschluss ihrer kurzen Rede auch einen offenen Brief der Eltern der städtischen Kita in Münster-Albachten an Oberbürgermeister Markus Lewe, in dem nicht nur eine konstruktive Mitarbeit an den Verhandlungsrunden im Tarifkonflikt gefordert wird, sondern auch die Frage nach den Maßnahmen zur Bekämpfung des Fachkräftemangels im Bereich der Kindertagesstätten gestellt wird.

Der offene Brief im Wortlaut

Bereits seit mehreren Wochen finden immer wieder Warnstreiks im Sozial- und Erziehungsdienst statt. Parallel gibt es derzeit zudem Streiks an Unikliniken - auch in Münster.

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