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Arbeitskampf an Unikliniken

Streikfolgen: Ärzte beklagen eingeschränkte Handlungsfähigkeit

Münster

Seit Anfang Mai sind alle sechs Universitätskliniken in NRW von ausgedehnten Streikmaßnahmen betroffen. Verlangt wird ein „Tarifvertrag Entlastungen“. Jetzt haben die leitenden Ärzte und Universitätsprofessoren sich mit einem offenen Brief zu Wort gemeldet.

Eine Frau hält ein Schild hoch auf dem «Streik!» steht. Foto: picture alliance/dpa/Mona Wenisch | Mona Wenisch

Die Unikliniken in NRW sind durch den Streik der Pflegenden „in ihrer Handlungsfähigkeit hochgradig beeinträchtigt“. Das geht aus einem offenen Brief hervor, den die sechs leitenden Ärzte und Universitätsprofessoren der unfallchirurgischen Klinken unterschrieben haben – unter ihnen auch Professor Dr. Michael J. Raschke von der Uniklinik in Münster. Danach sind die Kliniken „nicht mehr in der Lage, ihrem Versorgungsauftrag und den universitären Aufgaben in Lehre und Krankenversorgung so nachzukommen, wie es die Menschen im Land benötigen“.

Die Mediziner äußern durchaus Verständnis für das Anliegen der Streikende, schreiben aber auch: „Wir sehen während der Streiks zunehmend verunfallte Patientinnen und Patienten, die verzweifelt sind, weil sie keine adäquate Versorgung erfahren.“ Weiterbildungsassistenten organisierten– sofern möglich –den Transfer der Patienten in andere Einrichtungen. Studentinnen und Studenten würden durch die Streiks in ihrer Ausbildung stark beeinträchtigt und stellen ihre Berufswahl in Frage. „Der Streik wird auf dem Rücken von verunfallten Patienten sowie dem ärztlichen Personal, welches medizinisch und organisatorisch verantwortlich ist, ausgetragen“, heißt es in dem Brief an die Gewerkschaft Verdi.

Kollaps droht

Zwar würden lebensrettende Operationen durchgeführt, trotzdem verschärfe sich die Situation mit jedem weiteren Streiktag zunehmend. Dringliche und notfallmäßig durchzuführende Eingriffe würden täglich diskutiert. Eine Notdienstvereinbarungen regele lediglich lebensrettende Operationen. Die Streiks würden schnellstmöglich erforderliche Operationen zur Wiederherstellung und zum Erhalt der Funktion von Unfallopfern behindern. Patienten mit komplexen Verletzungen seien auch nicht in andere Krankenhäuser verlegbar. Das betreffe auch Übernahmeanfragen Kriegsverletzter aus der Ukraine.

Inzwischen hätte jedes Universitätsklinikum weit über 300 Patienten aus dem Bereich Unfallchirurgie abgelehnt oder in andere Einrichtungen transferiert oder auf die Zeit nach dem Streik verschoben.

Die Direktoren der Kliniken für Unfallchirurgie sehen die Notfallversorgung deswegen stark beeinträchtigt. Dauern die Streiks an, droht der Kollaps der bestreikten Regionen in NRW. Deswegen fordern die Mediziner eine zeitnahe einvernehmliche Rücknahme der drastischen Streikmaßnahmen während der laufenden Verhandlungen.

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