1. www.muensterschezeitung.de
  2. >
  3. Lokales
  4. >
  5. Muenster
  6. >
  7. Münster: Studienabbruch ist kein Scheitern

  8. >

Programm „Kantine statt Mensa“

Studienabbruch ist kein Scheitern

Münster

Im Corona-Lockdown haben noch mehr Studierende Zweifel an der Richtigkeit ihrer Studienwahl gehegt als zuvor. So ist die Wahrnehmung in der Beratungsstelle des Studierendenwerks. Es unterstützt nun Betroffene beim Wechsel in einen Ausbildungsberuf.

Längst nicht für jeden ist das Studium an einer Hochschule der richtige Weg. Foto: dpa (Symbolbild)

In den vergangenen zehn Jahren haben 650 junge Leute, die an den münsterischen Hochschulen mit ihrem Studium haderten, gezielt umgesattelt. Die Arbeitsagentur Münster-Ahlen, die Industrie- und Handelskammer (IHK) Nord Westfalen und die Handwerkskammer Münster (HWK) begleiteten die „Studienabbrecher“ auf ihrem Weg in und durch die Ausbildung. Jetzt steigt das Studierendenwerk in die Initiative ein. Der Name des Programms lautet denn auch jetzt: „Kantine statt Mensa“.

Bei Medina Oprea , die im Studierendenwerk Studierende psycho-sozial berät, suchen auch viele junge Leute Orientierung, die Zweifel an ihrer Studienwahl hegen. Für nicht wenige von ihnen ist der Entschluss, das Studium gegen eine Berufsausbildung zu tauschen, „eine Befreiung“, wie Carsten Taudt von der IHK sagt. Und die Ausbildungsbetriebe seien mit den meist lebenserfahrenen Ex-Studierenden hoch zufrieden, ergänzt Taudt. Auch Knut Heine, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer, betont, dass Handwerksbetriebe den Azubis mit Studentenvergangenheit sehr gute Perspektiven böten.

Größere Zweifel in der Corona-Zeit

Medina Oprea beoachtete, dass die Zahl derer, die mit ihrem Studium hadern, in der Corona-Zeit noch einmal zugenommen habe. Nach Berechnungen des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) stieg bundesweit die Zahl der Studienabbrecher im Jahr 2020 auf 28 Prozent. „Manchmal kristallisiert sich der Wunsch nach neuer Orientierung erst im Laufe der Beratung heraus“, sagt Oprea, denn ein Studienabbruch habe zunächst für viele den Nimbus des Scheiterns.

Christoph Holtwisch (Studierendenwerk, v.l.), Knut Heine (HWK), Christian König (Arbeitsagentur), Medina Oprea (Studierendenwerk) und Carsten Taudt (IHK) stellten das Projekt vor. Foto: Karin Völker

Was Carsten Taudt ganz falsch findet: „Nichts ist verloren, die Erfahrungen des Studiums kommen der Arbeit in vielen Betrieben und Berufszweigen zugute“, betont er: „Und viele derjenigen, die sich umorientierten, starten in der neuen Ausbildung durch und entwickeln neues Selbstbewusstsein.“ Wer als Student oder Studentin Azubi werden möchte, habe die Qual der Wahl, deutet Christian König, Leiter der Arbeitsagentur Münster-Ahlen, an. „Momentan kommen in der Region rechnerisch 1,5 Ausbildungsstellen auf einen Bewerber.

IHK und HWK helfen Wechselwilligen bei der Suche noch der richtigen Fachrichtung und dem passenden Betrieb. Am Dienstag (17. Januar) findet im Seminarraum der Wohnanlage Wilhelmskamp des Studierendenwerks, Steinfurter Straße 77, um 17 Ihr eine Infoveranstaltung statt. Eine Anmeldung ist nicht nötig.

Startseite
ANZEIGE