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Lesung und Diskussion mit Saskia Jungnikl

Tabuthema Suizid

Münster

Der Begriff „Tabuthema“ ist zugegeben ein bisschen überstrapaziert. Doch wenn er auf ein Thema zutrifft, dann sicherlich auf Selbstmord. Am 4. November (Montag) ist mit Saskia Jungnikl eine Autorin zu Gast im Rathausfestsaal, die in einem Buch den Selbstmord ihres eigenen Vaters verarbeitet hat.

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Saskia Jungnikl liest im Rathaus-Festsaal. Foto: Rafaela Pröll

Saskia Jungnikl liest am 4. November (Montag) aus ihrem Buch „Papa hat sich erschossen“. Das Bündnis gegen Depression Münster lädt dazu von 17.30 bis 20 Uhr in den Festsaal des Rathauses am Prinzipalmarkt ein (Eingang Stadtweinhaus). Nach der Lesung besteht Gelegenheit zur Diskussion mit der Autorin und zu Information und Austausch an Ständen des Bündnisses gegen Depression. Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung nicht erforderlich, heißt es in der Ankündigung.

Jungnikl hat sich vorgenommen, das Tabuthema Suizid am Beispiel ihrer eigenen Biografie in die Öffentlichkeit zu bringen. Sie ist überzeugt: „Sprachlosigkeit und Stille schaden. Sie schaden jenen, die jemanden verloren haben, weil sie mit ihrer Fassungslosigkeit und ihrem Schmerz alleine bleiben. Und sie schaden auch denen, die daran denken, Suizid zu begehen. Weil es ihnen damit so schwer gemacht wird, sich zu öffnen, darüber zu reden und Hilfe zu bekommen.“

Merle Heitkötter von der Geschäftsstelle des Bündnisses gegen Depression und Psychiatriekoordinatorin des städtischen Gesundheitsamtes bestätigt: „Wer gefährdet ist, wird meist froh darüber sein, darauf angesprochen zu werden. Der Mut nachzufragen, kann Leben retten.“

2017 hatte das Bündnis gegen Depression bereits Viktor Staudt zu einer Lesung eingeladen. Staudt hat damals aus Sicht eines Betroffenen berichtet, nun spricht Jungnikl aus der Angehörigen-Perspektive. Sie erzählt vom Suizid ihres Vaters und beschreibt die Ohnmacht, die ein solch gewaltvoller Tod hinterlässt, schildert ihren Umgang mit der Trauer und wie ihre Familie es schafft, damit weiterzuleben. Der Tod des Vaters teilt ihr Leben in ein Vorher und Nachher.

„Auch in Münster sind vom Thema Suizid Hunderte direkt und indirekt betroffen“, sagt Prof. Thomas Reker, der Sprecher des Bündnisses gegen Depression und Ärztliche Direktor der LWL-Klinik Münster.

In Deutschland nehmen sich jährlich 10 000 Menschen das Leben, heißt es in einer Pressemitteilung. Umgerechnet auf Münster wären das Jahr für Jahr etwa 38 Suizide, darunter fast dreimal so viele Männer wie Frauen. Laut der Weltgesundheitsorganisation sind von jedem Suizid mittelbar im Schnitt zwischen sechs und 23 Personen, vor allem Familienangehörige, betroffen. Hinzu kommen in Deutschland jährlich rund 100 000 Suizidversuche. Die Dunkelziffer ist hoch. Die Kooperationspartner des Bündnisses gegen Depression versuchen nach eigenen Angaben, diese Zahlen zu senken.

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