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Die Ausstellung „Droste Digital“ nähert sich dem Werk Annettes multimedial und experimentell

Texte, Tablets und tastende Kunst

Münster/Havixbeck.

Der „Meersburger Nachlass“ der Dichterin Annette von Droste-Hülshoff, digitale Text-Aufbereitung und künstlerische Interventionen: Das ist die Mischung, die jetzt in der Schau „Droste Digital“ auf Burg Hülshoff zu sehen ist. Kein leichter Stoff, eher Experiment, Prozess und tastende Erkundung.

Von Johannes Loy

Landesrätin Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger, Kurator Oliver Pawlak, LWL-Archivamtsleiter Prof. Marcus Stumpf und CfL-Leiter Dr. Jörg Albrecht (v.l.) im Text- und Tablet-Raum. Foto: Hanna Neander

Mit ­tastenden, experimentellen, auch kritisch beäugten Schritten eignet sich das Center for Literature (CfL) die Welt, Texte und Schriften der münsterländischen Dichterin Annette von Droste-Hülshoff an. Bevor auf der Burg Hülshoff, dem Geburtsort der Droste, sichtbare Umbauarbeiten auf Vorburg und für die geplante Residenz beginnen, steht im Obergeschoss der Burg die Ausstellung „Droste Digital. Handschriften – Räume – Installationen“ auf dem Programm. Am Donnerstag, 15. September, wird sie um 17 Uhr eröffnet.

Droste-Handschriften-Landschaft auf dem Dachboden von Burg Hülshoff von Almut Pape und Emese Bodolay. Foto: Hanna Neander

Die Künstler und Aus­stellungsmacher unter Kurator Oliver Pawlak sahen sich dabei vor die komplizierte Aufgabe gestellt, Räume, in denen vor 200 Jahren die Droste mit ihrer Familien wohnte, die aber heute eher den muffigen Charme der 1950er und 1960er Jahre verströmen, in digitale Text-Studierstuben zu verwandeln und zugleich durch künstle­rische „Interventionen“ nachzurüsten.

Das ist nichts, was den konsumfreudigen Burg-Hopper oder nostalgischen Touristen spontan begeistern könnte. Sondern eher ein intimes Erlebnis, für das der Droste-Gast Freude an Text-Genese und Text-Exegese mitbringen sollte. Wer dazu noch digital-affin ist, wird seine Freude daran haben. In kleinen geführten Gruppen und mit einer App, die Hülshoff weltweit und in Rundumsicht erklärt, sollte die „Remedialisierung“ des Droste-Werks, von der Kurator Oliver Pawlak gerne spricht, gut möglich sein.

Die für die Ausstellung ausgewählten Handschriften gehören zum „Meersburger Nachlass“, der mit 1500 Textseiten ungefähr zwei Drittel des gesamten Nachlasses der Droste umfasst. Dr. Barbara Rüschoff-Parzinger, Landesrätin für Kultur des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe und Vorstandsvorsitzende der Annette von Droste zu Hülshoff-Stiftung, betont: „Annette von Droste-Hülshoff schuf ein vielschichtiges literarisches Werk, das bis heute hoch­aktuell ist. Ihr umfangreicher Handschriften-Nachlass zählt zu den herausragenden Kulturschätzen in Nordrhein-Westfalen und ermöglicht neue Einblicke in ihr Leben und künstlerisches Arbeiten. Wir freuen uns sehr, ihn im Droste-Jahr 2022 erstmals einer breiten Öffentlichkeit präsentieren zu können“. Das Digitalisieren war dabei, wie Prof. Dr. Marcus Stumpf, Leiter des LWL-Archivamts für Westfalen berichtet, technisch kein Problem – und dennoch ein Quantensprung; denn jeder Forscher weltweit kann sich nun die Droste-Blätter digital vornehmen und bis ins kleinste Detail erforschen.

Der kleine Rundgang durch sechs Räume bietet digitale Textkunde und künstlerische Installationen. Raum eins konfrontiert den Gast mit einer Wandtapete, es handelt sich um das imposant vergrößerte Blatt eines Droste-Manuskripts und zeigt, dass Annette nicht nur papiersparend kritzelte, sondern auch permanent Korrekturen setzte. Raum zwei bietet die Digital-Station. ­Tablets und Hörstationen führen hier in Leben und Werk der Droste ein.

Die Schau bietet künstlerische Interventionen: Hier ein „Jugendzimmer“ von Nora Gomringer. Foto: CfL/Hanna Neander

Die weiteren Räume greifen Texte der Droste auf und verfrachten sie in ein künstlerisches Ambiente. In Annettes mutmaßlichem Kinderzimmer rückt Autorin Nora Gom­ringer die jugendliche Droste ins Zentrum eines bewusst kitschig überfrachteten Szenarios. Das ursprüngliche Studierzimmer von Annettes Vater wirkt in der Inszenierung der Autorin Dorothee Elmiger wie eine studentische Stube. Auf dem Schreibtisch steht ein Bildschirm. Auf diesem darf sich der Gast in die textliche Komposition und Entstehung der „Judenbuche“ vertiefen.

Das Künstler-Kollektiv ­Hyphen-Labs verwandelt ein ehemaliges Badezimmer in ein Spiegelkabinett, das auf dem Gedichtzyklus „Die Elemente“ der Droste basiert und das Verhältnis von Mensch und Umwelt beleuchtet. Auf dem Dachboden haben Almut Pape und Emese Bodolay vom Kollektiv Anna Kpok aus dem ­Gedichtzyklus „Klänge aus dem Orient“ eine begehbare Handschriften-Landschaft erschaffen. Auf Droste-Texten wandeln – eine lichtvolle Erfahrung.

Dorothee Elmiger schuf ein Studierzimmer, in dem man die Entstehung der „Judenbuche“ am Computer nachvollziehen kann. Foto: Hanna Neander

Die Ausstellung „Droste Digital“ läuft vom 16. September bis zum 30. September 2023 und bietet geführte Rundgänge. Es gibt einen Katalog sowie eine kostenfreie App. Alle weiteren Infos auf der Homepage des CfL.

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