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Comedy im Kreativ-Haus

Tiefstapelnder Beau gewinnt Wettbewerb

Münster

Der größte Comedy-Newcomer-Wettbewerb Deutschlands fand auch in Münster statt. Fünf Bewerber kämpften um die Gunst des Publikums.

Von Günter Moseler

Gag getestet (v. l.): Salomon, Johannes Fries, Niklas Siepen, Kati Pfeiffer und Kevin Knautz. Foto: Günter Moseler

Die Zeiten sind schlecht – da ist es gut, wenn die Leute lachen wollen. Im voll besetzten Kreativ-Haus traten fünf Kandidaten beim „GTD-Comedy Slam“ (größter Comedy-Newcomer-Wettbewerb Deutschlands) an – das Publikum kürt am Ende den Gewinner. „Sämtliche Arten der darstellenden Kunst“ waren für die Bühne zugelassen, die Moderator Jens H. Claassen für den „Gag-Test“ freigab. Claassen am Klavier ließ präludierend guter Laune freien Lauf: „Ich bin solo, reich und fahre einen Maybach“ – „Das stimmt wirklich!“, rief er in das sich ausschüttelnde Auditorium, das offenbar einem Kleinkünstler kein Luxusauto zutraute.

Der blonde Salomon stieg als Erster in den Comedy-Ring Locker seine Gitarre geschultert, sang dieser exklusive Interpret des Unpop (!) „traurige Lieder“. Es waren Beziehungskisten, für deren „Sesam-öffne-dich“ er den passenden Schlüssel suchte. Eine Zeitabschnittsfreundin beschied er mit hektischen Gitarrenriffs, sie sei ein „Staubsaugroboter“, setzte plötzliche Pausen und gestand: „Ich verliebe mich besonders in Menschen, bei denen ich keine Chance hab’“. Salomonisch zwischen Schüchternheit und Aufbegehren schwankend, schien dieser tiefstapelnde Beau dennoch von fiktiven Casanova-Qualitäten überzeugt.

Auch Niklas Siepen nahm die Route um seine „Ich-AG“ herum, mit Blick auf intime (Um-)welt: „Niklas, in unserer Familie bist du die größte Enttäuschung“, haut ihm Opa um die Ohren – später schlägt Niklas einen Return in Richtung Kalauer: „Ich liebe Haustiere, ich habe eine enge Beziehung zu meinem Bruder.“ Dann gibt’s Stimmenimitationen und bekommt der Hamster als wehrloses Spieltier sein Fett ab: „Der ist billig und kurzlebig!“. Die Welt der Kinder ist das Spielfeld von Kati Pfeiffer, die dem Dauerclinch mit ihren fünf Kindern auch positive Seiten abgewann: „Die Riester-Rente, das lohnt sich bei fünfen!“ Die waren hingebungsvollem Eifer geschuldet: „In diesen Momenten denkt man nicht so nach.“ Es folgte ein Plädoyer für Mütterarbeit und Kinder: urkomisch – aber tough.

Johannes Fries besuchte mit seiner Freundin ein Schwimmbad, hörte kopfmäßig ein Kinder- und ein Erwachsenenhirn disputieren und gestand ADS-Pro­bleme. Außerdem verdammte er seine 130 Kilo, philosophierte über „Schoko und Gemüse“ und schien zwischen Baderutsche und Galgenhumor seine Balance gefunden zu haben. Lebensfreude garantierte Kevin Knautz, der den Satz „Ich war im falschen Krautsalat“ als Losung für alle Daseinsprobleme empfahl. Es ging um Schulbusse und rosafarbene Penisnudeln. Das Publikum sympathisierte mit allen Comedians – und krönte Salomon.

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