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Seine Tollität

Tom Feuerstacke und Prinz Mario I. besprechen eine Session

Münster

Vom 11.11. eines Jahres bis zum Aschermittwoch des Folgejahres beginnt die fünfte Jahreszeit. Insgeheim wollte jeder mal Prinz Karneval sein. Einige wenige haben diesen Traum verfolgt. Nur wenige durften ihn für ein Jahr leben.

Prinz Mario I. Foto: Stadtgeflüster

Mario, was verbirgt sich hinter dem Begriff „seine Tollität?

Da es nur ein begrenzter Zeitraum ist, in dem man das Oberhaupt aller Narren und Karnevalisten ist, möchte man sich nicht mit irgendwelchen echten Adelstiteln gleichsetzen. Deshalb nennen sich alle, die in ein solches Amt gehoben, gewählt oder gedrängt werden, so. Diese Bezeichnung gilt für alle Würdenträger im Karneval.

Gibt es für dich einen Zusatz im Namen, der zeigt, dass du der „Prinz“ bist?

Ich heiße Prinz Mario I. der Stadt Münster. Diese Bezeichnung zeigt, dass ich oberster Narr bin in dieser Session.

Du bist nicht nur der Oberste aller Oberen. Dich zeichnet noch etwas Besonderes aus. Prinz Mario I. gibt es nicht nur einmal. Im wahrsten Sinne des Wortes gibt es dich doppelt und das aus einem bestimmten Grund?

Ich bin bereits in der zweiten Session Prinz. 2021 im November fand meine Proklamation ganz normal statt. Es gab die ersten Termine. Und zum Ende des Jahres war klar, dass während Corona Karneval zu feiern, eine nicht so tolle Idee ist. Ich hatte mich seinerzeit sehr dafür eingesetzt, die Session abzubrechen. Aus meiner Sicht hätte das nichts gebracht. Die Verordnungen sahen ein Verbot des Karnevals nicht vor. Aber es gab extreme Vorgaben. Und diese, gepaart mit der Verunsicherung der Bevölkerung, hätte keinen Saal voll gemacht. Schweren Herzens hatten wir dann Karneval 2022 abgesagt.

Du hattest somit dein Amt beendet für die Session. Sicherlich schweren Herzens. Man ist ja nur einmal Prinz im Leben. Oder war dir klar, dass du noch eine Runde dranhängen darfst?

Zu dem Zeitpunkt der Absage war das noch nicht klar. Da haben zwei Herzen in meiner Brust geschlagen. Durch meine Selbstständigkeit war ich wahnsinnig konfrontiert mit Corona. Wie alle anderen Kolleginnen und Kollegen in der Gastronomie sind wir ja von einhundert auf null runtergebrochen. Da war bei uns schon eine gewisse Traurigkeit über die Absage des Karnevals. Zumal ich nicht wusste, ob ich eine zweite Chance als Prinz bekäme. Aber mit diesen Dingen habe ich mich nicht lange beschäftigt. Ich wusste, dass ich in einer gewissen Verantwortung stehe. Ich hatte mich dafür eingesetzt, doch etwas vorsichtiger zu sein. Ich habe aber schon darauf gehofft, eine zweite Chance zu bekommen.

Bist du von schon immer ein Karnevalist oder bist du da zufällig reingerutscht, hier in dieser Hochburg des Karnevals?

(Lacht) Letztendlich habe ich die Narrenzeit mit der Muttermilch aufgesogen. Meine Eltern waren bereits während meiner Kindheit sehr aktiv im Karneval. Meine Mutter hat jahrelang eine Tanzgarde in Neuenkirchen bei Rheine trainiert. Mein Vater war lange Sitzungspräsident eines Karnevalsvereins. Und ich war immer mittendrin. Von mir kann man schon von einem kleinen „Vereinsmeier“ sprechen. Hier in Münster bin ich Mitglied bei der Karnevalsgesellschaft „Böse Geister“.

Was ich mich schon immer gefragt habe: Wie wird man Karnevalsprinz? Bewirbt man sich auf das Amt? Kommt da jemand auf einen zu und sagt, dass man alt genug sei, eine Firma habe und das Portemonnaie gut gefüllt ist? Ich gehe davon aus, dass ohne Schotter der Weg zum Prinzen nicht gepflastert wird.

Da machen wir uns nichts vor. Das wäre schwierig. Es gibt zwei Möglichkeiten, Prinz zu werden. In der Prinzengarde sind alle ehemaligen Prinzen Mitglied. Darüber hinaus gibt es den Förderverein der Prinzengarde. In dem tummeln sich Förderer, die alle das Potenzial haben, irgendwann Prinz zu werden. Bei der Aufnahme in den Förderverein wird schon geschaut, ob man einmal das höchste Amt bekleiden könnte. Nicht wenige aus diesem Verein konnten sich Tollität nennen. Die zweite Möglichkeit sind Gespräche mit Personen, die im Karneval was zu sagen haben. Der erste Kontakt geht dabei über den Generalprinzmarschall. Den habe ich gewählt.

Du warst also proaktiv. Du bist morgens wach geworden und hast dir überlegt, heute Prinz Karneval zu werden. Kurz mal mit dem General gequatscht und zack: Da war Prinz Mario I.?

(Lacht) Ganz so schnell geht das dann doch nicht. Ich bin seit 2010 hier in Münster Mitglied in meiner Karnevalsgesellschaft. 2017 wurde ich Obergeist und Tierspender. Ein Jahr später habe ich den Generalprinzmarschall beim Korpsappell der Stadtwache zur Seite genommen. Ich habe ihn in Kenntnis gesetzt, dass ich gerne Prinz werden würde.

Wie ist das eigentlich. Hast du eine Prinzessin an deiner Seite?

Nein. Eine Prinzessin der Stadt Münster gibt es nicht.

Dann habe ich das verwechselt. Die Schützenkönige haben eine Königin. Ihr also nicht?

Meine Lebensgefährtin ist „Tollitute“. So nennt die sich. Sie steht aber nicht neben mir als Prinzessin. Es gibt Veranstaltungen wie den Prinzenball, wo sie mich begleitet. Auf dem Ball eröffne ich mit meiner Lebensgefährtin den Abend. Sie hat aber keine Funktion im Sinne einer Prinzessin.

Damit ist die Diskussion im Karneval um Diversität kein Thema. Was in Schützenvereinen ja durchaus vorkommt. Ein homosexueller König hatte in Münster ja durchaus Probleme, seinen Partner neben sich zu positionieren. Also ist der Karneval eine deutlich weniger konservative Veranstaltung?

Der Karneval an sich ist bestimmt nicht konservativ. Das würde nicht funktionieren. Du kannst in der närrischen Zeit tun und lassen, was du willst. Wenn man sich die jüngere Geschichte des Karnevals anschaut, wurde beim Straßenkarneval der Finger bei den Themenwagen auf das Deutlichste in Wunden gelegt, das besonders in der Gesellschaft und der Politik. Darüber hinaus, wo wir das Thema Diversität haben: Ich bin davon überzeugt, dass Münster bald eine Prinzessin der Stadt Münster haben wird.

Wie würdest du das für dich einordnen?

Ich hätte damit absolut kein Problem.

Prinz Mario I.

Bei der Prinzengarde, die sich immer im Hotel Feldmann treffen, sitzen einige altehrwürdige Männer. Sehen die das auch so locker?

(Lacht) Ich glaube nicht. Das ist aber auch richtig so. Es gibt Traditionen. Davon kann man halten, was man will. Aber jede Tradition muss ständig überdacht werden und sich der Gesellschaft anpassen. Das ist von daher schon wichtig, damit man den Karneval und die Prinzengarde auch in die Zukunft führen kann. Und dass es eine Prinzessin schon morgen gibt, wird nicht geschehen. Aber in der weiteren Zukunft will ich das nicht ausschließen.

Du wirst demnächst das Rathaus stürmen und dem Hausherren Oberbürgermeister Markus Lewe den Schlüssel abnehmen. Das lässt er gerne zu. So wie ich gehört habe, findet er den Karneval ziemlich jovel. Unsern Bischof Glenn, der vom Niederrhein stammt, triffst du auch. Wird die Begegnung ähnlich locker sein?

Ich habe mit dem Bischof relativ viele Berührungspunkte und bin für ihn kein Unbekannter. Genauso wenig wie er kein Unbekannter für mich ist. Von daher werden wir lockerer miteinander umgehen können als jemand, der gar nichts mit dem Bistum zu tun hat. Das liegt daran, dass ich beruflich viel mit dem Bistum und dem Bischöflichen Generalvikariat Münster zusammenarbeite. Selbst in der Coronazeit, wo alles auf Abstand lief, hat das Generalvikariat bei uns im Speicher Räumlichkeiten genutzt. Als Cateringdienstleister habe ich den Katholikentag hier in Münster begleitet. Die Verbindung besteht bereits über 10 Jahre. Da war schon einiges an Kontakt zwischen dem Bischof und mir. Und wenn er seinen Orden bekommt, wird er sich nicht erschrecken und sich fragen, was jetzt los sei.

Auf was freust du dich am meisten in den Wochen, die vor dir liegen, außer vielleicht Aschermittwoch, wenn wieder Ruhe einkehrt?

Ich betrachte das differenziert. Im Moment hatte ich mich kurzfristig auf den Prinzenball gefreut. Eines der letzten gesellschaftlichen Ereignisse, das übrig geblieben ist. Früher gab es den Theaterball, Rosenball, Ball der Wirtschaft und den Luftwaffenball. Eine Veranstaltung, wo man einen Walzer tanzen kann. Mittelfristig freue ich mich auf die Seniorenheime und die Kindergärten, die ordentlich Karneval zu feiern wissen. Und das Highlight ist natürlich Rosenmontag.

Was passiert mit dir, wenn du dein Aschekreuz am Mittwoch nach Rosenmontag in der Kirche abholst?

Mal abgesehen davon, dass es der letzte Termin ist, den ein Karnevalsprinz hat. Sich am Aschermittwoch im Dom sein Aschekreuz abzuholen, bin ich gläubig und Katholik. Ich kann die Frage aber noch gar nicht beantworten. Ganz ehrlich. Frage mich am Donnerstag danach.

Aber wenn du aus der Kirche kommst. Feierst du dann nicht noch mal für dich und deine engsten Begleiter ein wenig Karneval?

(Lacht) Wenn ich an Aschermittwoch aus der Kirche komme, beginnt doch die Fastenzeit. Der Senatorenfrühschoppen der KG Freudenthal am Veilchendienstag ist der letzte offizielle Auftritt für mich als Prinz. Dann ist Aschermittwoch und es geht in die Kirche. Danach ist bekanntlich alles vorbei.

Dann sage ich mal eine gute Zeit dir und Helau.

Helau!

◊◊◊

Mario Engbers

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