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Bauern-Demo

Trecker-Korsos legen Verkehr in und um Münster lahm

Münster

Landwirte legen Münster lahm. Mit teils kilometerlangen Trecker-Korsos kommen die Bauern zur Großkundgebung in die Innenstadt. Dies führt zu erheblichen Verkehrsbehinderungen.

Frank Polke, Pjer Biederstädt, Jan Hullmann

Hunderte Trecker sind am Donnerstagmorgen in Münsters Innenstadt unterwegs. Foto: Wilfried Gerharz

Es ist voll in und rund um Münster: 6000 Landwirte aus ganz Deutschland kanmen am heutigen Donnerstag zu einer Kundgebung in Münster zusammen. „Davon dürften 1000 aus dem Münsterland und 1000 aus Ostwestfalen kommen“, sagt eine Sprecherin des WLV. „Hier brennt der Baum.“

Zu Beginn strömten heute Hunderte Landwirte - zum Teil mit Trillerpfeifen und Plakaten in der Hand - auf den Domplatz. Die Stimmung ist friedlich, aber viele sind aufgebracht. „Es geht darum, wo wir in zehn Jahren unser Fleisch, unser Gemüse oder unsere Kartoffeln her bekommen sollen“, sagt Ralf Weber aus Steinfurt. Die Konkurrenz aus Russland, China oder Osteuropa warte nur darauf, dass die Deutschen aufgeben würden

Los ging es um 10.30 auf dem Domplatz von Münster. Bauern aus ganz Deutschland nahmen an der Kundgebung teil, die Mehrheit dürfte aber aus dem Münsterland, dem Rheinland und aus Niedersachsen kommen. Dort findet man die meisten Tiermastbetriebe, die einerseits sehr stark für die Nitratbelastung verantwortlich sind, die aber durch eine Verschärfung der Gülleverordnung auch in ihrer wirtschaftlichen Existenz bedroht sind.

Traktoren verstopfen die Straßen

Hunderte Landwirte kamen am Morgen mit Traktoren in die Innenstadt. Auf den Straßen in Richtung Domplatz staute sich der Verkehr dadurch teils noch länger als sonst im Berufsverkehr. So ist auf der Steinfurter Straße nach Polizeiangaben ein sechs Kilometer langer Stau entstanden. Auch der Ludgeriplatz wurde durch einen Trecker-Korso zeitweise lahmgelegt. Auch auf Abschnitten des Rings kam es zu erheblichen Verkehrsbehinderungen. Die Polizei sperrte zeitweise Straßenabschnitte, um den Traktoren die Einfahrt nach Münster zu ermöglichen.

Eine nach Polizeiangaben drei Kilometer lange Trecker-Schlange aus dem Kreis Steinfurt führte zu erheblichen Verkehrseinschränkungen. Die rund 200 Fahrzeuge fuhren über Altenberger Straße und Steinfurter Straße in die Stadt. Zuvor kam es zu Behinderungen durch die langsamen Fahrzeuge beispielsweise auf dem Schöppinger Berg und in Laer.

Auf der Warendorfer Straße sammelten sich Landwirte vor allem aus Ostwestfalen. Ungefähr 40 Traktoren standen dort gegen neun Uhr und warteten auf die Weiterfahrt in die Innenstadt. Bis jetzt gebe es keine Verkehrsbehinderungen aus dem Osten, sagt ein Sprecher der Bauern: „Die Leute haben großes Verständnis. Das freut uns.“

Die Verkehrslage im Münsterland um 8.55 Uhr (4.4.2019) Foto: Screenshot Google Maps

Traktor-Parade zum Schlossplatz

Viele der Traktoren und Busse mit Teilnehmern parkten auf dem Schlossplatz, einzelne Fahrzeuge fuhren aber direkt bis auf den Domplatz, wo die zentrale Kundgebung stattgefunden hat.

Während der Veranstaltung konnte der Verkehr zunächst wieder fließen. Kurz nach dem Abschluss der Demo kam es jedoch durch die Abreise der über 200 Fahrzeuge erneut zu Verkehrsbehinderungen und langen Wartezeiten, besonders im Bereich der Steinfurter Straße. Erst als der Trecker-Korso die Altenberger Straße bei Nienberge erreicht hatte, gab die Polizei Entwarnung für die Verkehrslage in der Innenstadt.

Landwirte kritisieren Verschärfung der Düngeverordnung

Bei der Kundgebung ging es um die Düngeverordnung. Nach den Vorstellungen der EU soll es schärfere Vorgaben zum Beispiel für die Ausbringung von Gülle oder Kunstdünger geben, die Menge soll pauschal um 20 Prozent für jedes Feld sinken. Deutschland ist seit fünf Jahren im Rechtsstreit mit der EU-Kommission und muss seit dem 1. April Strafen in Höhe von täglich 850.000 Euro zahlen. Zurzeit arbeitet das Landwirtschaftsministerium an einem neuen Vorschlag, der grünes Licht von der EU erhalten soll.

Doch die Landwirte fürchten, dass genau diese erneute Verschärfung und der straffere Zeitrahmen sie wirtschaftlich stark treffen könnte. Sie leugnen zwar nicht ihre Verantwortung auch für den Grundwasserschutz und die teilweise sehr hohe Nitratbelastung, fürchten aber durch eine zu schnelle und zu harte Verschärfung der gesetzlichen Vorgaben erhebliche wirtschaftliche Nachteile.

Zu der Kundgebung werden unter anderem die zuständige Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner und ihre Amtskollegin aus NRW, Ursula Heinen-Esser (beide CDU), erwartet.

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