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Transplantationsbeauftragter spricht von Erfolg

Trotz Pandemie mehr Organspender am UKM

Münster

Die erste gute Nachricht: Die Corona-Pandemie hat die Zahl der Organspenden nicht nennenswert sinken lassen. Und es gibt eine weitere: Am Uniklinikum Münster ist die Zahl der Organspender gestiegen. Dafür gibt es aus Sicht des Klinikums einen Grund.

 Transplantationsbeauftragter Dr. Jan Englbrecht (l.) und Neurochirurg Dr. Markus Holling erklären, was den Hirntod eines Patienten ausmacht. Foto: UKM/Hauss

Trotz der Corona-Pandemie sind nach Angaben der Deutschen Stiftung Organtransplantation die Organspenden 2020 gegenüber dem Vorjahr stabil geblieben – wenn auch auf niedrigem Niveau. Am Universitätsklinikum Münster (UKM) ist Dr. Jan Englbrecht seit April 2020 Transplantationsbeauftragter. Auf Grundlage einer Änderung im Transplantationsgesetz, das die Spenden-Akquise erleichtern und die Transparenz steigern soll, konnte er die Organspenden steigern, wie es in einer Pressemitteilung des UKM heißt.

„Um mehr postmortale Organspenden zu ermöglichen, haben wir auf Grundlage der gesetzlichen Neuregelung aus 2019 entsprechende Maßnahmen ergriffen. Das hat dazu geführt, dass wir am UKM das Bewusstsein für das Thema Organspende fördern konnten", erläutert Englbrecht in der Mitteilung.

Zahl der Organspenden hat sich verdoppelt

Seit Englbrechts Amtsantritt hat sich die Zahl der Organspender - und damit einhergehend auch die Zahl der postmortal entnommenen Organe - deutlich erhöht. „Im Jahr 2020 lag die Zahl der als Organspender bei fünf“, sagt Englbrecht. „Das war genau im Schnitt der Vorjahre, wurde also auch durch die Corona-Pandemie nicht nennenswert beeinflusst. In diesem Jahr konnten wir die Zahl allerdings bis Ende November auf zehn verdoppeln“, freut sich Englbrecht.

Durch den Organspendeskandal 2012 sei deutschlandweit viel Vertrauen in der Bevölkerung verloren gegangen, meint Englbrecht. „Wir waren seitdem in Münster bei der Zahl der jährlichen Organspender immer im einstelligen Bereich. Auch andere Transplantationszentren verzeichneten damals eine dramatische Abnahme der Spendenbereitschaft. Und das trotz eines in der Bevölkerung inzwischen geschärften Problembewusstseins in Bezug auf den Mangel an Spenderorganen.“

Dr. Jan Englbrecht

Die Maßnahmen, die Englbrecht in den Kliniken des UKM ergriffen hat, umfassen unter anderem, dass er ein monatliches Reporting an die ärztlichen Leiter der Intensivstationen schickt, in denen die aktuelle Zahl der potenziellen Organspender für jeden nachzuvollziehen ist. "Außerdem bietet das UKM Trainingszentrum Trainings, die das Wissen und den Umgang mit dem Hirntod, an den eine Organspende unabdingbar geknüpft ist, vertiefen soll", teilt das UKM mit.

Aufklärung über den Hirntod: Die Teilnehmer der Schulung im UKM Trainingszentrum lernen aus den Ausführungen des Neurochirurgen Dr. Markus Holling. Den UKM-Transplantationsbeauftragten Dr. Jan Englbrecht und Dorothee Lamann (hintere Reihe v.l.) ist die interdisziplinäre Fortbildung wichtig. Foto: UKM/Hauss

Englbrecht hofft, die Organspende-Zahlen am UKM langfristig wenigstens auf dem jetzigen Niveau stabilisieren zu können. „Als Transplantationszentrum haben wir ein hohes Interesse daran, nicht nur Organe zu implantieren, sondern auch dazu beizutragen, dass mehr Menschen ein Spenderorgan bekommen. Denn, so sagt er: „Egal, ob Spender oder Empfänger: Auf beiden Seiten steht ein menschliches Schicksal.“

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