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Lisa Schlagheck bei TV-Talk „Hart aber fair“

UKM-Pflegerin gibt Karl Lauterbach Kontra

Münster

Große Bühne: Lisa Schlagheck, Pflegerin am Uniklinikum Münster, war zu Gast in der ARD-Talkshow „Hart aber fair“. Vor allem mit Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach und dessen geplanter Krankenhausreform ging sie hart ins Gericht.

Von Pjer Biederstädt

UKM-Fachkrankenpflegerin in der Notfallpflege Lisa Schlagheck war zu Gast bei „Hart aber Fair“. Foto: WDR/Oliver Ziebe

Lisa Schlagheck (30), Fachkrankenpflegerin in der Notfallpflege am Uniklinikum Münster, ist am Montag (7. November) direkt nach ihrer Nachtschicht nach Berlin gereist, um am Abend als Gast in der ARD-Talkshow „Hart aber fair“ aufzutreten. Zusammen mit Bundesgesundheitsminister Prof. Dr. Karl Lauterbach (SPD) und drei weiteren Gästen diskutierte sie zum Thema „Corona-Brennpunkt Krankenhäuser: Zermürbt und angeschlagen wie das ganze Land?“.

„Währenddessen war ich ziemlich nervös“, sagte die Münsteranerin am Tag danach im Gespräch mit unserer Redaktion. Sie sei aber dennoch mit einem guten Gefühl aus der Sendung gegangen, weil sie die Themenpunkte, die ihr am Herzen lagen, habe ansprechen können. Genau betrachtet ist das eigentlich eine Untertreibung, denn Lisa Schlagheck sprach nicht nur an, sondern war Dreh- und Angelpunkt der wichtigen Diskussionspassagen.  

Corona nur das i-Tüpfelchen

Gleich zu Beginn der 75-minütigen Sendung machte die 30-Jährige klar, dass die Überlastung der Krankenhäuser aus ihrer Sicht gerne auf die Corona-Pandemie geschoben werde, doch das „ist meiner Meinung nach eine falsche Annahme. Überlastet sind sie aufgrund der Ökonomisierung des Gesundheitswesens und aufgrund des Personalnotstands. Corona ist nur das i-Tüpfelchen, das uns zusätzlich belastet“, sagte Schlagheck.  

Würde man die Grundproblematik angehen, wären die Krankenhäuser besser gewappnet für diese und weitere Pandemien, so die Krankenpflegerin, die dafür den ersten Applaus des Abends aus dem Publikum erhielt – nicht ihr letzter wohlgemerkt.

Lauterbach in der Zange

Außerdem erzählte sie von ihrem Klinik-Alltag mit brenzligen Situationen allein auf Station, Patienten auf Fluren und der emotionalen Belastung für sie, wenn ein Fünfjähriger wegen Personalmangels auf eine wichtige Operation warten müsse. Zustände, die jahrelang toleriert worden seien, sich für sie in der UKM-Notfallannahme aber nun verbessert hätten, weil das Personal aufgestockt worden sei.

Gäste-Runde bei „Hart aber Fair“ (v.l.): Karl Lauterbach (SPD, Bundesgesundheitsminister), Christina Berndt (Wissenschaftsredakteurin bei der Süddeutschen Zeitung), Lisa Schlagheck (Fachgesundheits- und Krankenpflegerin am Universitätsklinikum Münster), Klaus Holetschek (CSU, Bayerischer Staatsminister für Gesundheit und Pflege), Martin Machowecz (Journalist; Leiter des ZEIT-Ressorts „Streit“) und Moderator Frank Plasberg. Foto: WDR/Oliver Ziebe

„Ich war aber nicht da, um auf die Tränendrüse zu drücken und Politikern eine Steilvorlage zu geben, ihre Maßnahmen dagegen zu erklären“, sagte Schlagheck am Tag nach der Sendung. Und so hakte sie mehrfach nach, als Lauterbach seine geplante Krankenhausreform erklärte. Die Fallpauschalen sollen wegfallen, dadurch bewirke sein Gesetz eine „dramatische Entökonomisierung“, so Lauterbach. Man wolle die Zahl der Pflegekräfte an die tatsächlichen Bedarfe anpassen. Schlagheck gab Kontra, denn ihr Arbeitsbereich und weitere seien in dem Reformentwurf bisher nicht berücksichtigt worden, das Gesetz „nicht konkret genug“. Lauterbach sagte, dass diesbezüglich aktuell nachgebessert werde.

Schlagheck schlagfertig

Schlagheck sagte gegen Ende der Sendung, dass sie Lauterbachs Gesetzespläne weiter verfolgen werde. Im Gespräch mit unserer Redaktion betonte sie, dass sie seinen Plänen eine „Chance geben werde, mich zu überzeugen“. Ihre Erfahrung sage ihr aber, dass durch Streiks, wie zuletzt in NRW, mehr erreicht werde als von Politikern. Überrascht sei sie vom bayrischen Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) gewesen, der sogar nach der Sendung zu ihr gekommen sei, um sie weiter in ihrer Meinung zu bestätigen.

Ganz zum Schluss bat Moderator Frank Plasberg die Gäste, einen anderen Gast auszuwählen, mit dem man das Krankenzimmer teilen würde. Lauterbach, Christina Berndt (Wissenschaftsredakteurin bei der Süddeutschen Zeitung) und Klaus Holetschek (CSU, Bayerischer Staatsminister für Gesundheit und Pflege) wählten Schlagheck. 

Lauterbach zu Schlagheck: „Im Notfall könnten Sie mich pflegen und ich könnte Sie operieren.“ Doch die noch bessere Pointe hatte die schlagfertige Schlagheck parat: „Ich werd's tunlichst vermeiden, aktuell in ein Krankenhaus aufgenommen werden zu müssen.“

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