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Interview über Impfdurchbrüche und Langzeitfolgen

UKM-Virologe: „Impfstoff verhindert nicht die Infektion als solche“

Münster

Obwohl die Covid 19-Impfstoffe nachweislich einen verlässlichen Schutz vor einer schweren Corona-Infektion bieten, halten sich in der Öffentlichkeit Zweifel an deren Wirksamkeit. Grund genug, um einige wichtige Dinge zu klären.

Von Ulrich Schaper

Impfungen sind der Schlüssel, um die vierte Welle der Pandemie zu brechen – darin sind sich Experten einig. Foto: Marijan Murat/dpa

Unser Redaktionsmitglied Ulrich Schaper sprach mit Prof. Dr. Stephan Ludwig vom Institut für Virologie des Universitätsklinikums Münster über Impfdurchbrüche und die irrige Annahme von Langzeitfolgen einer Corona-Impfung.

Herr Ludwig, der Begriff eines Impfdurchbruchs wird heute verschiedenartig gedeutet. Helfen Sie uns: Wann ist tatsächlich die Rede von einem solchen Impfdurchbruch?

Stephan Ludwig: Die Grenzen sind tatsächlich fließend. Man muss wissen, dass ein Impfstoff darauf hin geprüft und getestet wird, dass er schwere Krankheitsverläufe und eine mögliche Hospitalisierung verhindert. Er verhindert aber nicht eine Infektion als solche. Solch eine sogenannte sterile Immunität leisten nur die allerwenigsten Impfstoffe. Bei Corona stellen wir fest, dass der Impfschutz nach fünf bis sechs Monaten abnimmt. Das sind also die Menschen, die relativ frühzeitig im Jahr geimpft wurden – bei denen stellt man nun häufiger Impfdurchbrüche fest. Eine Booster-Impfung ist für diese Menschen sinnvoll.

Prof. Dr. Stephan Ludwig

Im Vergleich mit anderen Impfungen: Haben wir es bei den Corona-Impfstoffen mit auffallend häufigen Impfdurchbrüchen zu tun?

Stephan Ludwig: Das kann man leider nicht so genau sagen. Das Monitoring bei Corona ist ausgesprochen gut – da haben wir bei anderen Impfungen weitaus weniger Daten zur Verfügung. Wenn man es mit der normalen Grippeschutzimpfung vergleicht, dann sind die Durchbrüche auf relativ niedrigem Niveau – während man dort per se nur einen etwa 60-prozentigen Schutz hat, liegt er bei den Corona-Vakzinen ja bei teilweise über 90 Prozent. Das ist eine ungewöhnlich hohe Impfeffizienz.

Nach den Äußerungen des Fußball-Nationalspielers Joshua Kimmich wurde nun auch über mögliche Langzeitfolgen der Impfung debattiert – was muss man sich darunter vorstellen?

Stephan Ludwig: Die Diskussion über solche Langzeitfolgen wurde leider sehr missverständlich geführt. Langzeitfolgen sind solche Nebenwirkungen, die relativ schnell nach einer Impfung auftreten und mit denen man lange zu tun hat – nichts anderes.

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