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Lesung mit Laurenz E. Kirchner und Peter Sauer

Unbegreiflichkeit des Krieges in Bildern

Münster

„BodenNullpunkt“ – so wird der Ort bezeichnet, über dem eine nukleare Bombe detoniert ist. Und so heißt auch das Buch von Künstler Laurenz E. Kirchner und Journalist Peter Sauer. In einer Lesung des VBE Stadtverband Münster sprachen sie jetzt über die Unbegreiflichkeit des Krieges.

Von Arndt Zinkant

Der Künstler Laurenz E. Kirchner (l.) und der Journalist Peter Sauer stellten ihr Buch „BodenNullpunkt“ vor Foto: Arndt Zinkant

Wie nähert man sich künstlerisch der Unbegreiflichkeit des Krieges? Diese Frage stand am Anfang der szenischen Lesung. Der Künstler Laurenz E. Kirchner und der Journalist Peter Sauer fanden ihren ganz eigenen Weg – einen, der mit satirischen Zeichnungen und historisch fundierten Begleittexten das Unbegreifliche zu fassen sucht. So entstand 2020 das Buch „BodenNullpunkt“; der Begriff bezeichnet den Ort, über dem eine nukleare Bombe detoniert.

Nun saßen der Zeichner und der Autor im „M44 Meeting-Center“ und nahmen ihr Publikum mit auf eine intensive Bilderreise. Dabei wurde der Gesprächsfaden entlang von Kirchners Bildern gesponnen, die Historie des (Atom-)Krieges in den Blick genommen und bewusst auch der unterhaltsame Austausch mit dem Publikum gesucht. Ein Balance-Akt, der an diesem Abend bewundernswert gelang.

Eine Gratwanderung

Diese Gratwanderung war in den Bildern bereits angelegt. Wenn zu Beginn das rosarote „Komfortkissen“ alleine auf der Leinwand prangt, ist die Welt noch in Ordnung. Dann kündigt sich Besuch von oben an: Von einer goldgelben Rakete, die eine Brille trägt, ebenso rosarot wie das Kissen. „Diese rosarote Brille setzen wir uns selber auf“, sagt Kirchner. Der Zeichner zielt mit oft bewusst naiv gestalteten Szenen darauf ab, die Posen der Mächtigen zu entlarven. Ob er nun Kim Jong-Un mit Darth-Vader-Puppe spielen lässt oder selbigen gemeinsam mit den Herren Trump, Putin oder Erdogan als gefährliche „Zündhölzer“ in eine Schachtel steckt.

Das „Corona-Aufrüsten“, in Deutschland mit Toilettenpapier, in den USA mit Waffen, zeigten Kirchner (l.) und Sauer auch während der Lesung des VBE-Stadtverband Münster. Das begleitende Buch "BodenNullpunkt" ist im agenda Verlag erschienen. Foto: Arndt Zinkant

Auch eine Live-Zeichnung gab es auf der Leinwand zu sehen: Mit wenigen flinken Strichen bannte Kirchner eine Weltkugel aufs Papier. Genauer: Kanada, das zurzeit nicht nur von Corona, sondern auch von einer Hitzewelle heimgesucht wird.

Reise bis in die Gegenwart

Der gelernte Historiker Peter Sauer führte das Publikum locker von Bild zu Bild und knüpfte im pointierten Dialog mit Kirchner (Gelächter für seine Raute auf dem „Lohengrin-Helm“ der Wagner-Verehrerin Merkel) den Gesprächsfaden immer wieder neu. Bis in unsere Gegenwart, die furchtbare Ereignisse zeitigt, wie die Enthauptung des französischen Lehrers Samuel Paty, der im Unterricht anhand von Mohammed-Karikaturen über Toleranz reden wollte. „Lebst du als satirischer Zeichner gefährlich?“, fragte Sauer. Die Antwort war knapp und eindeutig: „Ja.“

Vor dem "Weltbrandhölzern und der "Eisenbrot"-Skulptur als Mahnung vor Hunger durch Krieg, Terror und Elend referierten Laurenz E. Kirchner und Peter Sauer im gegenseitigen Schlagabtausch und in enger Interaktion mit dem Publikum. Foto: Arndt Zinkant
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