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Wehrleute aus Münster zurück vom Hochwasser-Einsatz

„Die Zerstörungen und das Leid sind unvorstellbar“

Münster

Nach knapp 24 Stunden Dauereinsatz im Hochwasser-Katastrophengebiet Eschweiler sind  22 Wehrleute aus den münsterischen Löschzügen Geist, Kinderhaus und Häger der Freiwilligen Feuerwehr wohlbehalten wieder an die Feuerwache 1 zurückgekehrt.

Von Helmut P. Etzkorn

Am Samstagmittag kehrten die münsterischen Helfer von ihrem Katastrophen-Einsatz wohlbehalten zurück. Foto: Helmut P. Etzkorn

Nach knapp 24 Stunden Dauereinsatz im Hochwasser-Katastrophengebiet Eschweiler in der Region Aachen sind am Samstagmittag 22 Wehrleute aus den münsterischen Löschzügen Geist, Kinderhaus und Häger der Freiwilligen Feuerwehr wohl behalten wieder zur Feuerwache 1 zurückgekehrt. „Unvorstellbar sind die Zerstörungen und das menschliche Leid“, fasst es Brandoberinspektor Marc Greshake zusammen, der als einer der Einheitsführer vor Ort den Einsatz der Feuerwehr-Unterstützungstrupps aus Münster koordinierte.

Schnell werden Erinnerungen wach an die Fluten, die Münster im Juli 2014 nach einem verheerenden Starkregen traf, doch „das hier ist noch eine Schippe drauf“, so der Tenor. Die Wehrmänner arbeiteten sich in der besonders stark betroffenen Kleinstadt Eschweiler „von Häuserzeile zu Häuserzeile durch“ und pumpten Dutzende von Kellern leer.

„Die Brühe stand meterhoch bis ins Erdgeschoss, da ist nichts heil geblieben“, so Greshake. Und im Gegensatz zu „normalen Wassereinsätzen“ war die Lage wesentlich komplexer. „Häuser, die einsturzgefährdet sind. Kein Strom, verseuchtes Wasser, überall der Schutt meterhoch auf den Straßen, Autos kopfüber in den Vorgärten und die Handys der verzweifelten Bewohner waren längst verstummt“, so die ersten Eindrücke in der Nacht.

Hand in Hand mit Kollegen aus Emden und der DLRG-Unterstützung aus Oberbayern wurden Tauchpumpen geschleppt, Schlauchleitungen verlegt und „gerettet, was noch zu retten war“, so Greshake. Vor wenigen Tagen war er mit einigen Kameraden bereits im Raum Aachen unterwegs, und „Eschweiler wird nicht unser letzter Einsatz gewesen sein“, glaubt er. Die Aufräumarbeiten in den besonders betroffenen Gebieten dürften nach seiner Einschätzung „Wochen, wenn nicht Monate“ dauern.

Marc Greshake vom Löschzug Kinderhaus zeigt ein Bild, das er im Katastrophengebiet gemacht hat. Foto: Helmut P. Etzkorn

Was alle 22 erlebt haben, war die „unendliche Dankbarkeit in den Augen der Flutopfer“. Viele empfanden die Nähe der Helfer, die anpacken ohne lange zu fragen, als einen ersten Lichtblick in dem Chaos und menschlichen Leid, das viele erfahren mussten. Und alle 22 sind sich einig, wenn der Alarmempfänger wieder piept und überörtliche Hilfe dort nötig ist, wo ganze Orte zerstört am Boden liegen, sind sie wieder am Start.

Feuerwehrchef Gottfried Wingler-Scholz dankte den Helfern für ihren Einsatz. „Gut, dass wir solche Szenarien vorher durchgeplant und organisiert haben. So können wir schnell und punktgenau die Kameraden vor Ort dabei unterstützen, eine gewaltige Schadenslage zu bewältigen.“

Inzwischen sind auch die vier münsterischen Hilfsorganisationen, die in Eschweiler einen Behandlungsplatz aufbauen mussten, zurück. Die Führungs- und Bergungseinheit des Technischen Hilfswerks Münster ist Sonntagmittag aus dem Großraum Köln zurückgekehrt, vor Ort sind noch Helfer, die mobile Tankanlagen zur Kraftstoffversorgung von Einsatzfahrzeugen betreuen.

Auch Akteure des Automobil-Clubs Münster im ADAC, die eigentlich beim Truck-Grand-Prix auf dem Nürburgring eingesetzt werden sollten, unterstützten stattdessen eine Sammelstelle für Spenden in der Eifel unweit der Rennstrecke.

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