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Prozess im Missbrauchsfall Münster

Urteil gegen Adrian V. wird öffentlich gesprochen 

Münster

Die Hauptverhandlung im Missbrauchsprozess von Münster steht kurz vor dem Ende. Das Gericht kündigte jetzt an, dass die Urteilsbegründung öffentlich stattfinden wird. Auch der Termin ist jetzt klar. 

Dirk Anger

Der Hauptangeklagte Adrian V. (vorne rechts) beim Prozessbeginn in Münster. Nach über 50 Verhandlungstagen endet der Missbrauchsprozess im Juli mit der Urteilsverkündung. Foto: Rolf Vennenbernd/dpa-Pool/dpa

Viele Stunden,   teils fast ganze Verhandlungstage war die Öffentlichkeit im Missbrauchsprozess gegen den Münsteraner Adrian V., dessen Mutter und drei weitere Angeklagte ausgeschlossen – zum Schutz der sexuell missbrauchten Kinder, aber auch um intime Details der Angeklagten nicht öffentlich werden zu lassen. Doch das Urteil des Hauptverfahrens im Missbrauchskomplex Münster soll am kommenden Dienstag (9 Uhr) öffentlich gesprochen und begründet werden.

Die erste Strafkammer des Landgerichts Münster hat am 52. Verhandlungstag einen Antrag der Nebenklage zurückwiesen. Die rechtlichen Vertreter von zwei unter anderem in einer Gartenlaube in Münster mehrfach missbrauchten Kindern hatten zuvor beantragt, die Öffentlichkeit auch während der Urteilsbegründung auszuschließen.

Zwei Angeklagte entschuldigen sich

Diesem Ansinnen folgte die Kammer nicht. Es liege in der Hand des Gerichts, in welchem Umfang Details aus der Hauptverhandlung in der Urteilsbegründung öffentlich gemacht würden, begründete der Vorsitzende Richter seine Entscheidung. Das Gericht könne Inhalte der Hauptverhandlung „schonend“ wiedergeben, ohne insbesondere die schutzwürdigen Interessen der Kinder zu verletzen, hieß es unter Verweis auf eine entsprechende Rechtsprechung.

Die Urteilsverkündung erfolgt „im Namen des Volkes“, wie es in der Strafprozessordnung heißt. Dabei sind die wesentlichen Urteilsgründe öffentlich darzulegen. Auf die schutzwürdigen Interessen von Prozessbeteiligten, Zeugen oder Verletzten soll in diesem Zusammenhang Rücksicht genommen werden, heißt es im Gesetz.

Am Dienstag hatten die fünf Angeklagten noch einmal die Gelegenheit für ein Schlusswort. Adrian V., seine Mutter und Tobias S. aus Staufenberg erklärten lediglich, sich den Ausführungen ihrer Verteidiger anschließen zu wollen. Zwei weitere Angeklagten äußerten ihr Bedauern über die Taten.

Für den 28-jährigen Adrian V., der als Schlüsselfigur im Missbrauchskomplex zählt, hatte die Staatsanwaltschaft eine Haftstrafe von 14 Jahren mit nachfolgender Sicherungsverwahrung gefordert wegen schweren sexuellen Missbrauchs. Für die übrigen drei angeklagten Männern sind Freiheitsstrafen zwischen zehn und zwölf Jahren beantragt worden, ebenfalls mit späterer Sicherungsverwahrung wegen andauernder Gefährlichkeit. Wegen Beihilfe zum schweren sexuellen Missbrauch soll die Mutter des Haupttäters für sechs Jahre ins Gefängnis, wie der Anklagevertreter gefordert hat.

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