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Urteil im Hauptprozess zum Missbrauchsfall Münster

14 Jahre Haft für Adrian V. – und danach Sicherungsverwahrung

Münster

Lange Freiheitsstrafen und eine erschütternde Urteilsbegründung: Die Grenze des Vorstellbaren sei weit überschritten, umriss der Vorsitzende Richter die Taten von Adrian V. und den anderen Angeklagten im Missbrauchsfall Münster.

Von Dirk Anger 

Der Hauptangeklagte Adrian V. betritt in Begleitung von Justizbeamten den Gerichtssaal zur Urteilsverkündung. Foto: dpa/Guido Kirchner

Sie feierten gemeinsam ein Wochenende lang Geburtstag in einer Gartenlaube in Münsters Norden und missbrauchten dabei über Stunden zwei Kinder auf das Abscheulichste: Für diese und weitere Taten von schwerstem sexuellen Missbrauch an jungen Menschen hat das Landgericht am Dienstag den Münsteraner Adrian V. und drei mitangeklagte Männer zu erwartet hohen Freiheits­strafen verurteilt.

Außerdem werden die Männer nach Verbüßung ihrer Haftstrafen nicht sofort auf freien Fuß kommen. Denn das Gericht hat im Hauptverfahren rund um den Missbrauchskomplex Münster Sicherungsverwahrung für sie angeordnet. Sie hätten ein Hang zu weiteren Sexualstraftaten, und deshalb gehe von ihnen eine Gefahr für die Allgemeinheit aus, begründet das Gericht.

Hohe Haftstrafen für alle Angeklagten

Der 28-jährige Adrian V., der als zentrale Figur in dem Netzwerk von Pädosexuellen gilt, die sich im Darknet zu Missbrauchstaten verabredet hatten, muss für 14 Jahre hinter Gitter. Ihm werden 29 Fälle von schwerem sexu­ellen Missbrauch zur Last gelegt. Dies sei aber nur die Spitze des Eisbergs, betont der Vorsitzende Richter in der Urteilsbegründung.

Adri­an V. hatte den Sohn seiner Lebensgefährtin über Jahre unzählige Male auf das Schlimmste missbraucht und den Jungen bundesweit anderen Männern zur Verfügung gestellt. Mit dem Urteil gegen den IT-Techniker folgte das Gericht dem Antrag der Staatsanwaltschaft wie auch im Fall der drei mit­angeklagten Männern.

Die Angeklagten im Hauptprozess

Gefängnisstrafe auch für Mutter von Adrian V.

Tobias S. (31) aus Staufenberg (Hessen), der nach Feststellung des Gerichts seinen eigenen Sohn ab dem Alter von zwei Jahren missbraucht und auch mit in die Gartenlaube in Münster genommen hat, muss für zwölf Jahre in Haft. Ein halbes Jahr kürzer ist die Freiheitsstrafe für Enrico L. (43) aus Schorfheide (Brandenburg) aus­gefallen. Der Familienvater hat unter anderem einen neunjährigen, entfernt verwandten Jungen nachts betäubt, im ehelichen Schlafzimmer sexuell missbraucht und die Tat per Handy auf­gezeichnet, wie es in der Urteilsbegründung heißt.

Auch die Mutter von Adrian V. muss ins Gefängnis: Die frühere Kita-Angestellte aus Münster erhält eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren wegen Beihilfe zum schweren sexuellen Missbrauch; ein Jahre weniger als die Staatsanwaltschaft beantragt hatte. Carina V. (46) habe ihrem Sohn und seinen Freunden die Laube in der Kleingartenanlage bewusst zur Verfügung gestellt und dabei „schwere Missbrauchshandlungen in Kauf genommen“, befindet das Gericht. Dabei habe sie von den pädophilen Neigungen ihres Sohnes gewusst.

Verzicht auf "drastische Details"

In der 105 Minuten langen Urteilsbegründung am 53. Verhandlungstag verzichtete das Gericht mit Blick auf die schutzwürdigen Interessen der Opfer auf eine Schilderung von „drastischen Details“ der Missbrauchstaten. Die Grenze des Vorstellbaren sei weit überschritten, sagte der Vorsitzende. Die Verteidiger aller fünf Angeklagten haben angekündigt eine Revision gegen das Urteil prüfen zu wollen.

NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) sagte am Dienstag in einem Radio-Interview, dass er mit der Aufdeckung weiterer Missbrauchskomplexe rechne.

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