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Nach Komplikationen bei Hirn-OP

Verfahren gegen Neurochirurg eingestellt

Münster / Warendorf

Nach Komplikationen bei einer Hirn-OP musste sich ein 58-jähriger Neurochirurg aus Warendorf vor dem Landgericht verantworten. Das Gericht sieht keinen Behandlungsfehler – und hat das Verfahren eingestellt.

Von Eva-Maria Landmesser

Das Landgericht Münster hat das Verfahren gegen einen 58-jährigen Neurochirurg eingestellt. Foto: dpa (Symbolbild)

„Wir müssen feststellen, ob die persönliche Schuld des Angeklagten betroffen ist“, wiederholte der Vorsitzende Richter der Schwurgerichtskammer mehrmals. Da dies hinsichtlich des angeklagten Tötungsdeliktes jedoch nicht möglich war, wurde das Verfahren gegen den 58-jährige Neurochirurgen aus Warendorf gegen eine Geldauflage von 6500 Euro eingestellt. Die Staatsanwaltschaft Münster hatte dem Mediziner einen Behandlungsfehler während einer Gehirntumoroperation an einer mittlerweile verstorbenen Patientin vorgeworfen.

Vor dem Einstellungsbeschluss wurden neben dem Chefarzt der Anästhesie auch zwei medizinische Gutachter angehört. Der Chefarzt der Anästhesie wurde dabei intensiv zu Operationsanweisungen befragt, die er mit der Chefärztin der Neurochirurgie verfasst hatte. Diese wurden im Jahr 2013 formuliert, um die einzeln oder gemeinsam zu erfolgenden Maßnahmen von Operateur und Anästhesist festzulegen.

Strittige Venenkompression am Hals

Dabei stand die strittige Venenkompression am Hals zum Auffinden einer luftanziehenden Vene im Operationsbereich, die bereits am zweiten Prozesstag ausgiebig diskutiert wurde, erneut im Fokus. Der Anästhesie-Chefarzt sagte aus, dass aus seiner Sicht bei einem Eingriff in halbsitzender Position die Venenkompression zwingend durchgeführt werden muss. Dem habe die Chefärztin der Neurochirurgie jedoch die Gefahr eines Hirnödems aufgrund des Venenstaus entgegengehalten. Daher habe man dieses Verfahren nur wahlweise festgeschrieben.

Für einen der beiden medizinischen Gutachter stellte das Unterlassen der Venenkompression den entscheidenden Fehler dar, zu dem es bei der Operation in halbsitzender Position gekommen war.

Der Vorsitzende wies den Sachverständigen jedoch darauf hin, dass dies kein Vorwurf ist, der die persönliche Schuld des Angeklagten trifft, da er aufgrund der Operationsanweisungen nicht dazu verpflichtet war, die Kompression anzuordnen. Die alternativen Maßnahmen wie Spülen und Abdecken des Operationsbereichs hatte der 58-Jährige durchgeführt.

Gutachter: Kein Behandlungsfehler

Auch hinsichtlich der Bedeutung dieser Unterlassung für die Lebensverkürzung der Patientin äußerte die Kammer Zweifel. So sei nicht auszuschließen, dass die Lebensverkürzung auch durch die zwei weiteren Operationen eingetreten ist. Die Patientin wurde weitere Male operiert, weil der Tumor beim ersten Eingriff nicht entfernt werden konnte. Dass dies jedoch keinen Behandlungsfehler darstellt, darin stimmten beide Gutachter überein.

Nach einer kurzen Beratung schlug die Kammer sodann die Einstellung gegen Geldauflage vor, dem die weiteren Prozessbeteiligten zustimmten.

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